Musical Theater

Bei der Tanzsensation von den Strassen Kubas trifft Ballett auf Breakdance

Die Tanzsensation «Ballet Revolución» aus Kuba gastiert im Musical Theater in Basel – und besticht durch ihre Kontraste.

Der Scheinwerfer geht an, setzt ein Paar in Szene, das rund um einen einfachen, schwarzen Holzstuhl sinnlich tanzt. Ihre Kleider sind schwarz, schlicht, kaum der Rede wert. Ihr Tanz hingegen ist so ausdrucksstark, faszinierend und perfekt ausgeführt, dass man kaum wegsehen kann. Im Hintergrund ist leise ein Gitarrenspiel zu hören. Die sanften Klänge vermischen sich mit der dominierenden Melodie der Trompete.

Im Vordergrund geht der Scheinwerfer wieder an. Ein anderes Paar umgarnt sich im Tanz, leidenschaftlich und gleichzeitig anmutig und elegant. Schnitt. Die Paare verschwinden, zu Ushers Welthit «DJ got us fallin’ in love again» versucht sich ein Tänzer als Michael-Jackson-Kopie. Von der Sinnlichkeit ist keine Spur mehr zu erkennen. Viel mehr versprüht der Tänzer Energie, Explosivität, Power.

Dies ist der Anfang der zweiten Hälfte der kubanischen Tanzsensation Ballet Revolución. 19 Tänzerinnen und Tänzer aus dem karibischen Inselstaat präsentieren momentan auf der Bühne des Musical Theaters Basel, was ihre Heimat ausmacht: die Heissblütigkeit und die Energie, die Leidenschaft für die Musik und die unwiderstehliche Sinnlichkeit und Lebensfreude. Und natürlich der Tanz, mit dem sie sich besser ausdrücken können als mit irgendetwas anderem. In wenigen Ländern ist der Tanz wichtiger, vielfältiger und emotionaler als in Kuba. Und genau dies spiegelt sich in der gut zweieinhalbstündigen Show wieder.

David Guetta trifft Ballett

Die Tänzer kommen allesamt aus Kuba und haben dort an der Escuela Nacional de Arte die Kunst des klassischen Balletts und die Bewegungen des modernen und folkloristischen Tanzes gelernt. Doch wer deshalb nur traditionelle kubanische Tänze gepaart mit den klassischen Sprüngen und Pirouetten eines Balletts erwartet, liegt falsch. Zum «Ballet Revolución» gehört das kubanische Volkslied «El Panadero» genauso dazu wie Rihannas Welthit «We found love». Jeweils gesungen und gespielt von einer siebenköpfigen Liveband, die den Tänzerinnen und Tänzern in Talent und Emotionen kein bisschen nachsteht, wechseln sich Tradition und Trend immer wieder ab. Während in der Musik die Übergänge fast unvermeidbar zu erkennen sind, fliessen bei den Tänzen die Bewegungen nahtlos über von Ballett zum Jazz, zum Salsa, Rumba, Hip-Hop bis hin zum Breakdance. Denn all diese Tanzstile finden genau so Platz wie der klassische Tango.

Doch die Tanzstile werden nicht analog zu den Musikstilen getanzt, sondern vermischt. So wird zu den modernen Clubhits David Guettas, Beyoncés und Jennifer Lopez’ klassisches Ballett und zum klassischen «Mambo Time Machine» auch mal Breakdance getanzt. Mit Spitzenschuhen und hautengen Leggins statt Turnschuhen und Hosen mit tiefem Schritt. Immer mit der Absicht, dem Zuschauer die Geschichte des Songs zu vermitteln.

So bekommt man bei Ushers «DJ got us fallin’ in love again» tatsächlich das Gefühl als würden sie «dance, dance like it’s the last, last time of your life» – das letzte mal also, dass sie in ihrem Leben tanzen. Die Stimmung aber ist nicht bedrückt, sondern vermittelt den Eindruck, mitten an einer riesigen Party im Herzen Havannas zu sein, die scheinbar nie enden will.

«Ballet Revolución» ist nicht pompös inszeniert, weil dies einfach nicht nötig ist. Weil diese Virtuosität der Tänze und die fantastischen Choreografien für sich selber sprechen. Das Bühnenbild und die Kleider sind nicht überladen oder ausgefallen. Sie machen fast den Anschein, als wäre bei dieser Show weniger Wert darauf gelegt worden als bei anderen. Vielleicht einfach, weil ihre Simplizität in der Extravaganz der Tänze ohnehin unter- und vergessen geht. Vielleicht aber auch, weil «Ballet Revolución» einfach anders ist. Es ist ein Ballett, bei dem der Bass den Boden zum Vibrieren bringt. Es ist ein Ballett, zu dem Pirouetten gleichermassen gehören wie Breakdance, Spitzenschuhe genau so wie löchrige Shirts und Man Buns ebenso wie Tutus. Es ist ein Ballett, das man gesehen haben muss. Auch wenn man kein Ballett-Fan ist. Oder eben genau dann.

Ballet Revolución bis Sonntag, 24. 1., im Musical Theater. Do–Sa, 19.30 Uhr, Sa zusätzlich 15 Uhr, So 14 und 18 Uhr.

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