Die Allgemeine Musikgesellschaft Basel (AMG) startet einen Monat früher als gewohnt in die Saison 2013/14 – bereits am 15. August, und dies mit einem Orchester, das Tage danach mit gleichem Programm auch am Lucerne Festival zu hören ist. Thomas Jung, Geschäftsführer der AMG und Direktor der Agentur «Konzertgesellschaft», hat AMG-Traditionen über den Haufen geworfen, um Daniel Barenboims berühmtes Friedensprojekt, das West-Eastern Divan Orchestra, nach Basel zu bringen. Allein für den Termin im August und im Umfeld des Doppel-Auftritts am Lucerne Festival war das Orchester zu haben, in dem junge Juden, Christen und Muslime gemeinsam musizieren.

Sein Nahost-Projekt gründete der Dirigent 1999 gemeinsam mit dem 2003 verstorbenen palästinensischen Literaturwissenschafter Edward Said. Barenboim erklärt: «Wenn ein junger Araber und ein junger Israeli an einem Notenpult sitzen, wenn sie versuchen, die gleiche Note mit derselben Dynamik, demselben Bogenstrich, demselben Klang und demselben Ausdruck zu spielen, dann ist ein musikalischer Dialog da. Und dann sollte ein Gespräch doch erst recht möglich sein.» Das Orchester feiert in Basel 200 Jahre Wagner und Verdi und spielt zudem Beethovens Siebte.

Generell muss sich Jung für die «AMG World Orchestras» nach den Tournee-Plänen der berühmten Orchester richten. So findet das zweite Konzert mit den Wiener Philharmonikern unter Riccardo Chailly und mit dem Violinisten Christian Tetzlaff (Sibelius, Bruckner) erst am 15. Januar 2014 statt. Bereits sieben Tage danach folgt das dritte: Ivan Fischer dirigiert sein Budapest Festival Orchestra (Borodin, Prokofjew, Tschaikowsky). Einen knappen Monat später konzertiert die Tschechische Philharmonie Prag unter Chefdirigent Jiri Belohlávek (Smetana, Chopin, Dvorák). Zum Saisonende kooperiert die AMG nochmals mit dem Lucerne Festival und bietet damit dem Basler Publikum einen besonderen Leckerbissen: Altmeister Bernard Haitink dirigiert im Jahr seines 85. Geburtstages das Chamber Orchestra of Europe. Er kommt mit einem reinen Schumann-Programm. «Haitink reist nicht mehr gern», erklärt Jung. Der Maestro war nur im Umfeld seiner Konzerte am Luzerner Osterfestival für einen Basler Auftritt zu gewinnen.

Die gewohnten Konzertgefässe

Die AMG behält ihre bekannten Konzertgefässe bei und legt den Fokus auf das eher populäre klassisch-romantische Repertoire. Die AMG sei selbsttragend und müsse auch kommerziell denken, hält Jung fest.

Glücklich ist Jung, dass «die Sonntagsmatineen den Turnaround geschafft haben» und auf höhere Publikumsresonanz gestossen sind. Das Programm enthält einige Perlen: So gibt der phänomenale Zürcher Blockflötist Maurice Steger zusammen mit Daniela Dolcis Ensemble «Musica Fiorita» aus Basel «ein neapolitanisches Fest» (16. Februar 2014). Rudolf Buchbinder spielt mit dem Zürcher Kammerorchester, das er vom Klavier aus leitet, Haydn und Mozart (8. Dezember). Die Violinistin Julia Schröder, die Pianistin Anastasia Voltchok und das Kammerorchester Basel blicken historisch informiert auf Mendelssohn und Tschaikowsky (11. Mai 2014). Start der Matinee-Reihe ist am 10. November: Das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester spielt mit dem «interessanten jungen Schweizer Klaviertrio», dem Trio Rafale.

Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte ist die Reihe der Rising Stars mit jungen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt, die an internationalen Wettbewerben reüssiert haben. Sich vorstellen werden die Violinistinnen Solenne Païdassi und Noa Wildschut. Letztere ist erst 13 Jahre alt. Trotz seiner Skepsis gegen Kinderstars bringt Jung das Ausnahmetalent nach Basel: «Das Mädchen ist bereits sehr konzerterfahren und zugleich bestens aufgehoben im elterlichen Umfeld.» Zudem zeigen die Pianisten Daniil Trifonov und Sasha Grynyuk sowie Pianistin Mélodie Zhao ihr Können.

Stars und regionale Orchester

Das Star-Programm der Solistenabende bietet einiges Spannendes. Grigory Sokolov, András Schiff und Radu Lupu gehören zu den grossen Pianisten, die konsequent ihren musikalischen Weg gehen. Gespannt sein darf man auch auf den Auftritt der Pianistin Mitsuko Uchida, die laut Jung erstmals in Basel – zumindest bei der AMG – auftritt. Und die Norwegerin Tine Thing Helseth gehört zu den jungen Star-Trompeterinnen. Eröffnet wird die Reihe durch den Violinisten Maxim Vengerov, der nach langer Krankheit wieder konzertiert.

Die Reihe Sinfoniekonzerte versteht Jung nicht als Konkurrenz zum Sinfonieorchester Basel, sondern als Ergänzung im klassisch-romantischen Repertoire. Hier treten Orchester aus der weiter gedachten Region auf. Das Kammerorchester Basel gibt zwei Konzerte unter Stars der Alten Musik, unter Paul McCreesh und Givoanni Antonini, der sich nach Beethoven nun Schumann widmet. Zudem kommen das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden / Freiburg unter Nicolas Simon, das Tonhalleorchester Zürich unter David Zinman, das Orchestre Philharmonique de Strasbourg, das von einem alten Bekannten dirigiert wird, von Marko Letonja, und das Orchestre Philharmonique de Liège unter Christian Arming.

Jung blickt im Gespräch über die neue Saison hinaus und äussert seine Hoffnung, das Sinfonieorchester Basel wieder für einen AMG-Auftritt gewinnen zu können. Er denkt auch über ein Konzert mit «La Cetra Barockorchester Basel» unter Andrea Marcon nach. «Ein hervorragendes Orchester», unterstreicht Jung. «Nur konnte ich ein Konzert mit ihm bislang bei uns nicht unterbringen.»

Detailliertes Programm der AMG-Konzerte auf: www.konzerte-basel.ch