Für die Ausstellung hat der vielseitige Künstler grossformatige Fotografien und Zeichnungen, Skulpturen und Videoarbeiten ausgewählt. Die alten und neuen Arbeiten konzentrieren sich auf die Beziehung zwischen der Realität und ihrer Darstellungsweise.

Dem Besucher werde die Krise zwischen Darstellung und Realität vor Augen geführt, schreibt Kurator Lorenzo Benedetti im Ausstellungsprojekt. "Mithilfe von Mitteln der zeitgenössischen Kommunikation konfrontiert uns Hanimann mit unserer fragilen und brüchigen Wahrnehmung dessen, was wir als real empfinden."

Gut nachvollziehbar ist dies anhand einer Videoarbeit im letzten Ausstellungssaal. Gezeigt wird ein Velo vor einer Ziegelsteinwand. Der Hintergrund ist in verschieden grosse Kacheln aufgeteilt. Im Bildverlauf werden diese ständig ausgewechselt, was die Illusion erzeugt, das Velo werde ebenfalls ausgewechselt oder sei in Bewegung.

Gleich aber unterschiedlich

Im Zentrum der Ausstellung steht eine Serie leicht überlebensgrosser Skulpturen aus Aluminiumguss. Es sind Prototypen junger Menschen in einer typische Alltagsszene. Die Frauen und Männer stehen auf einem Platz und scheinen auf etwas zu warten. Vielleicht auf den Beginn der nächsten Vorlesung an einer Fachhochschule?

Die Figuren aus Aluminium sind mit sich selbst beschäftigt. Eine junge Frau ist in ihr Handy vertieft, eine andere verschränkt die angewinkelten Arme hinter dem Kopf und blickt entspannt in die Ferne, ein Mann wendet sich mit geballter Faust ab, ein anderer dreht der Szenerie den Rücken zu. Nur die Frau mit Pferdeschwanz scheint sich für die Gruppe zu interessieren, bleibt aber unsicher am Rand des Oberlichtsaals stehen.

Double aus Aluminium und Stahl

Die Alu-Figuren haben ein lebendes Doppel, das Hanimann mittels 3D-Scan abgebildet, bearbeitet und nach einem aufwendigen Prozess in der Kunstgiesserei St. Gallen in Aluminium hat giessen lassen - in einer Grösse von 108 Prozent.

Die Skulpturen aus Aluminium erinnern an Hanimanns über fünf Meter hohen Chromstahlplastiken, die den öffentlichen Raum zieren. Anne-Sophie steht vor der Zürcher Hochschule der Künste auf dem Toniareal in Zürich, die andere heisst Vanessa und empfängt an der Kanti Heerbrugg.

1992 letztmals im Kunstmuseum

Alex Hanimann stellte vor 27 Jahren zum letzten Mal im Kunstmuseum St. Gallen aus - damals als Manor-Preisträger. Inzwischen zählt er zu den wichtigsten Schweizer Kunstschaffenden der Gegenwart. Der 63-jährige Familienvater und Dozent lebt und arbeitet in St. Gallen, wo er vor gut 30 Jahren die Kunsthalle St. Gallen mitgründet hat.