Theater
Ein Grosser verabschiedet sich: Regisseur Hans Hollmann ist 89-jährig verstorben

Der Theaterregisseur und einstiger Theaterdirektor in Basel Hans Hollmann ist 89-jährig gestorben.

Sigfried Schibli
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Ein später Ausflug ins Filmfach: Hans Hollmann 2018 im Luzerner Tatort.

Ein später Ausflug ins Filmfach: Hans Hollmann 2018 im Luzerner Tatort.

SRF/Hugofilm

Das Theater ist eine vergängliche Kunst. Aber auf wundersame Weise brennen sich doch manchmal herausragende Theaterabende ins kollektive Bewusstsein ein. Zum Beispiel «Die letzten Tage der Menschheit», die eigentlich unspielbare Tragödie von Karl Kraus über Schuld und Verstrickung in der Zeit des Ersten Weltkriegs. 1975 wurde das Stück im Foyer des brandneuen Basler Stadttheaters inszeniert und sofort ans Berliner Theatertreffen eingeladen. Die Aufführung fiel durch die ungewöhnliche sprachliche Genauigkeit und die Hellhörigkeit auf, mit welcher die Lebenslügen der Menschen ihren Ausdruck fanden. Sie beanspruchte ein riesiges Ensemble, dauerte trotz Kürzungen sieben Stunden, wurde in den Feuilletons international gefeiert und avancierte zum Stadtgespräch. Ihr Regisseur hiess Hans Hollmann.

Der 1933 in Graz geborene Hollmann war eigentlich promovierter Jurist, hat aber sein Leben lang inszeniert und in den Neunzigerjahren als Professor für Theaterregie in Frankfurt am Main gelehrt. Bekannt wurde er mit Schauspielen vor allem aus dem österreichischen Kulturkreis, mit Peter Handke, Ödön von Horváth und Elias Canetti, mit dem er befreundet war, später auch mit Opernaufführungen. Nach seinem Riesenerfolg mit den «Letzten Tagen…» war Hollmann drei Jahre lang Theaterdirektor in Basel in der Nachfolge von Werner Düggelin, der ihn stark gefördert hatte. Es sollte seine erste und letzte Leitungsposition an einem Theater bleiben.

Müde fürs Sprechtheater - wach für die Oper

Unter seinen 170 Inszenierungen finden sich zunehmend Musiktheaterstücke. Die Moden und Traditionsbrüche im Sprechtheater ermüdeten ihn. In gewissem Sinn war das eine Rückkehr zu den Anfängen, denn Hollmanns Vater war Musiklehrer, und der Jurist und Starregisseur Hans Hollmann fühlte sich zeitlebens der Musik verbunden. Allein drei Mal brachte er «Die Fledermaus» von Johann Strauss auf die Bühne, aber auch Verdis «Otello», Puccinis «Tosca», Alban Bergs «Lulu» und Wagners «Parsifal». Einen von ihm in Basel begonnenen Wagner-«Ring» konnte er nicht vollenden. Die beste Inszenierung von Mozarts «Entführung», die ich je gesehen habe, stammte von Hans Hollmann und entstand am Theater Freiburg.

2018 sah man ihn noch in einer Nebenrolle im Luzerner «Tatort» von Dani Levy – ein später Ausflug ins Filmfach. Seit seiner Direktionszeit am Theater Basel lebte Hollmann mit seiner Partnerin Reinhild Solf in Basel, erst im Gellert und zuletzt in der St. Alban-Vorstadt. Die Premieren des Theaters Basel liess er sich nie entgehen, immer neugierig, hellwach und kritisch. Vor wenigen Wochen starb Reinhild Solf, nun ist ihr Hans Hollmann im 90. Lebensjahr in den Tod gefolgt.