Konzert
Eine mitreissende Kriegserklärung: Skunk Anansie begeistern in Augusta Raurica

Die britische Rockband bewies in Augusta Raurica, dass sie auch nach drei Jahrzehnten noch frisch klingen kann.

Stefan Strittmatter
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Teuflisch gut: Skin, Frontfrau von Skunk Anansie.

Teuflisch gut: Skin, Frontfrau von Skunk Anansie.

zvg/Samuel Bramley/Theater Augusta Raurica

Als könnten sie es nicht erwarten, eröffnen Skunk Anansie ihr Konzert in Augusta Raurica zehn Minuten vor der angekündigten Zeit. Und mit dem obligaten Eröffnungssong «Yes It’s Fucking Political» macht das britische Quartett am Sonntagabend früh deutlich, dass die Balladen, die es in den Neunzigern in die Charts geschafft haben, eher Ausnahmen sind im Repertoire.

Das nachgeschobene «Because of You» vermag zwar in der Strophe nicht das Energielevel des Openers zu erreichen, doch spätestens im epischen Refrain gibt es wieder kein Halten mehr.

Die Band um die tonangebende Frontfrau Skin klingt an diesem Abend besonders satt und knackig, das römische Freilicht-Theater erweist sich einmal mehr als akustisch sehr geeignet für Rockshows der heftigeren Gangart. Auf den Rängen hat man zwar freie Sicht auf das Geschehen auf der Bühne, doch wer die Wucht dieser Band erleben will, der tummelt sich im Halbrund unmittelbar vor der Bühne.

Frontsängerin kann sich das Bad in der Menge nicht verkneifen

Da der vom Prattler Z7 organisierte Abend – wie die meisten Gigs der bis Samstag dauernden Reihe – nicht ausverkauft ist, kann man zu jedem Zeitpunkt zwischen Steh- und Sitzplatz wählen. Ein Luxus, den man sonst an Rockshows dieses Kalibers nicht hat.

Bereits beim dritten Song badete die Sängerin in der Menge.

Bereits beim dritten Song badete die Sängerin in der Menge.

zvg/Samuel Bramley/Theater Augusta Raurica

Wer frühzeitig unten steht, kommt mit etwas Glück in den Genuss, mit Sängerin Skin auf Tuchfühlung zu gehen. Zwar hatte die 54-Jährige im Interview mit dieser Zeitung angekündigt, diese Showeinlage seit der Coronapandemie aus Sicherheitsgründen auszulassen, doch bereits in «I Can Dream», dem dritten Song, kann sie sich das Bad in der Menge nicht verkneifen.

Und wenn die Fans auf ihr Kommando aus der Hocke in die Höhe springen, versteht man, wieso der Band und den Securitys bei solchen Aktionen immer etwas bang wird um ihre Frontfrau.

Viel Spielfreude und Power

Den imposanten Kopfschmuck mit den vier geschwungenen Hörnern hat sie zu dem Zeitpunkt bereits abgelegt, doch im roten Seidengewand behält Skin eine wunderbar diabolische Ausstrahlung. Das breite Lachen, das sie fast ohne Unterlass im Gesicht trägt, rundet diese Erscheinung ab.

Überhaupt legen Skin und ihre um die Backingsängerin Erika Footman erweiterte Band in 90 Minuten dermassen viel Spielfreude an den Tag, dass man kaum glauben mag, dass Skunk Anansie seit bald drei Jahrzehnten unterwegs sind.

Während das brandneue «Can’t Take You Anywhere» mit seinen Eightes-Anleihen live nicht ganz zünden will, haben Skunk Anansie mit dem ebenfalls noch nicht auf einem Album erschienen «This Is War» einen ihrer rausten und besten Songs im Gepäck. Die Stimme duelliert sich mit dem tonnenschweren Riff und erklimmt dabei ungeahnte Höhen. Was für eine Power! Diese Kriegserklärung lässt man sich gerne bieten.