Herbarium Basel
Caspar Bauhin: Die Botanik war seine Leidenschaft

Vor 400 Jahren publizierte Caspar Bauhin sein Verzeichnis der in der Umgebung Basels wachsenden Pflanzen – eine der ersten Lokalfloren weltweit.

Martin Stohler
Drucken
Begeisterte sich für alles, was spriesst: Caspar Bauhin (1560–1624).

Begeisterte sich für alles, was spriesst: Caspar Bauhin (1560–1624).

Bild: zvg / Universitätsbibliothek Basel

Caspar Bauhin wurde am 15. Januar 1560 in Basel geboren. Nach Studien im Ausland wirkte er bis zu seinem Tod am 5. Dezember 1624 in seiner Vaterstadt in verschiedenen Funktionen als Mediziner und Botaniker. Sein Interesse an Medizin und Botanik dürfte durch seinen Vater Johann Bauhin (1511–1582) geweckt worden sein.

Dieser, ein Hugenotte aus der Picardie, kam 1543 als Glaubensflüchtling nach Basel, wo er das Bürgerrecht erwarb und sich als Wundarzt betätigte. Er zeigte grosses Interesse an Heilpflanzen und unterhielt einen kleinen privaten botanischen Garten.

Tagung zu Lokalflora und Klimawandel

Herbarien Basel, das Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel und die Basler Botanische Gesellschaft nehmen das 400-Jahre-Jubiläum des Erscheinens von Bauhins Lokalflora als Anlass, am 15. und 16. September eine internationale wissenschaftliche Tagung zu Ehren des Verfassers durchzuführen. Ziel der Tagung sei es, «die Bedeutung der Pflanzensammlungen in Herbarien für die aktuelle botanische Forschung im Bereich von Systematik, Evolution und Klimawandel aufzuzeigen und zu solchen Forschungen zu motivieren», so Jürg Stöcklin, Professor emeritus für Botanik und Präsident der Basler Botanischen Gesellschaft.

Die Tagungsbeiträge befassen sich unter anderem mit der Geschichte naturkundlicher Sammlungen und mit neuesten Forschungen, welche Belege aus bis zu 400 Jahre alten Herbarien benutzen, um den Klimawandel zu dokumentieren oder aufzuzeigen, wie sich die pflanzliche Biodiversität in den letzten Jahrhunderten verändert hat. Im Rahmen der Tagung findet am Donnerstag, 15. September, im Bernoullianum um 18.15 Uhr auch ein öffentlicher Vortrag von Professor Richard Primack von der Boston University statt. Richard Primack ist ein Pionier der Naturschutzbiologie und von Forschungsprojekten, die historische Daten und Herbarien für das Studium von globalen Veränderungen nutzbar machen.

www.herbarium.unibas.ch

1581 legte Caspar Bauhin sein Doktorexamen in Medizin an der Universität Basel ab. Da er offensichtlich ausserordentliche didaktische Fähigkeiten besass, wurde er von der medizinischen Fakultät beauftragt, alle Jahre im Sommer botanische Exkursionen anzubieten. 1582 wurde er zum Professor für griechische Sprache an der Universität Basel gewählt – daneben widmete er sich intensiv der ärztlichen Praxis und seinen anatomischen und botanischen Studien.

Lehrbuch der Anatomie

1589 hätte Caspar Bauhin die nach dem Tod von Theodor Zwinger freigewordene Professur für theoretische Medizin übernehmen sollen. Als Bauhin dies ablehnte, kam ihm die Universität entgegen und schuf für ihn einen Lehrstuhl für Anatomie und Botanik. Der damals für ihn angelegte botanische Garten war einer der ersten Universitätsgärten nördlich der Alpen.

Bauhins öffentlich vorgenommene Obduktionen machten die medizinische Anatomie in Basel zu einem Anziehungspunkt für auswärtige Studenten. Nach dem Tod von Felix Platter (1536–1614) musste Bauhin zusätzlich die Professur für praktische Medizin und die Stelle des Stadtarztes übernehmen.

Caspar Bauhin veröffentlichte rund 30 Werke medizinischen oder botanischen Inhalts. Unter seinen medizinischen Schriften ist sein Lehrbuch der Anatomie besonders zu erwähnen. Bauhin ordnete darin das anatomische Wissen und veranschaulichte es mit vielen Bildern. Geschätzt war auch seine Arzneimittellehre, in der er die üblichen Arzneien, ihre Zusammensetzung, Herstellung und Verordnungsweise beschrieb, wobei er sich auf seine profunden praktischen Kenntnisse stützen konnte.

Pflanzen rund um Basel

Als Botaniker hat sich Bauhin grosse Verdienste erworben. Basel verdankte ihm neben dem bereits erwähnten botanischen Garten der Universität die Durchführung botanischer Exkursionen, systematisch-botanische Vorlesungen und schliesslich 1622 die Veröffentlichung einer der ersten Lokalfloren (Catalogus Plantarum circa Basileam sponte nascentium) weltweit. Darin enthalten sind Namen, Synonyma, Lebensräume und Fundorte von über 1000 verschiedenen Pflanzenarten, die rund um Basel zu finden sind. Mit seinem Catalogus schuf er die Basis für die floristische Erforschung der Region Basel und ihrer Veränderungen bis zum heutigen Tag.

Weitere Publikationen folgten, kurz vor seinem Tod etwas sein «Pinax Theatri Botanici» (1623), in dem er 5600 Pflanzen beschrieb. Bauhin unterhielt ein europaweites Beziehungsnetz mit den führenden Botanikern seiner Zeit, von welchen er Informationen über neu entdeckte Pflanzen und Pflanzenmaterial aus ganz Europa und Übersee erhielt.

Von Bauhins Leidenschaft für die Botanik zeugt auch ein von ihm angelegtes Herbarium. Dieses soll ums Jahr 1620 mehr als 4000 Arten umfasst haben. Davon sind heute nicht mehr alle Teile erhalten. Als separate Sammlung wird es heute in den Herbarien Basel aufbewahrt.