Kultur

Argovia Philharmonic: Leonore ist auch eine Trompete

Der Trompeter Reinhold Friedrich als Solist im Konzert der Argovia Philharmonic.

Der Trompeter Reinhold Friedrich als Solist im Konzert der Argovia Philharmonic.

Im Konzert des Argovia Philharmonic unter Christoph-Mathias Mueller sorgt der Trompeter Reinhold Friedrich für einen Höhepunkt.

Betritt er die Bühne, lächelt man. Reinhold Friedrich hält seine Trompete wie einen Schatz in Händen, strahlt ins Publikum und spitzt die Lippen: diesen Mann hält es nicht länger. Es muss losgehen – jetzt! Den Gefallen tun ihm das Argovia Philharmonic und der Dirigent Christoph-Mathias Mueller gerne. Denn gemeinsam mit Friedrich auf Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert E-Dur auf die Reise zu gehen, ist Vergnügen pur. Kaum sind die ersten Töne geblasen, kommt einem diese Friedrich-Aussage in den Sinn: «Manchmal bekommt man so ein Hochgefühl: ‹Genau so soll’s sein›.» Und ebenso fühlt sich alles an, was Friedrich mit Hummels beliebtem Konzert «anstellt». Dieser Musiker verfügt über einen anscheinend endlosen Atem und nie versiegende Energie sowie eine klangschöne, geschmackssichere Virtuosität, die alles kinderleicht erscheinen lässt.

Friedrich ist ein gewiefter Erzähler, der gemeinsam mit Orchester und Dirigent einen dramaturgischen Bogen vom einleitenden Allegro con spirito bis zum finalen Rondo schlägt. Die musikalische Reise ist auch deshalb so spannend, weil Friedrich immer den Dialog mit dem Argovia Philharmonic sucht: durch Blickkontakt oder eine explizite Hinwendung zu einem Musiker oder zum Dirigenten. Mitunter «zeichnet» der Trompeter eine spritzige Orchesterpassage gar mit den Händen nach: keine Marotte, sondern Ausdruck der Freude an den musikalischen Aufgaben, die der Komponist Hummel dem Interpreten stellt. Gelingen diese, wird das Glück durch eine Zugabe verlängert. Das geht bei Friedrich nicht ohne einen witzigen Exkurs über Mendelssohns Begegnung mit Klappentrompeten in Italien bis zu Beethovens «Fidelio».

Robert Schumann sagte: «Jeder Satz ein Schatz»

«Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern der Müden nicht erbleichen!», singt Leonore im Kerker, wo ihr Mann Florestan schmachtet. Dass Leonore auch eine Trompete sein kann, war bis anhin nicht bekannt – das dürfte sich ändern. Denn Friedrich findet für Leonores Sehnsucht Töne von ergreifender Innigkeit, die Beethovens Arie in einem neuen Licht erscheinen lassen. «Genau so soll’s sein»: dieses ungeschriebene Motto scheint Massstab für ein Programm mit Beethovens Ouvertüre zu «Egmont», Glucks Ouvertüre zur Oper «Orfeo ed Euridice» und dessen «Reigen seliger Geister» (welch schönes Solo der Flöte) sowie Mozarts Sinfonie Nr. 38 D-Dur «Prager». Auch der Dirigent Christoph- Mathias Mueller ist ein ausgesprochen partnerschaftlich agierender, fordernd-fördernder Musiker. Die dunkel grundierte, stürmische «Egmont»-Ouvertüre hört sich bei Mueller wie eine Vorahnung auf die Mozart-Sinfonie an; auch in Glucks Ouvertüre schält der Dirigent die düsteren Einschübe heraus, was erst recht für Mozarts «Prager» Sinfonie gilt, deren erster Satz die Atmosphäre des «Don Giovanni» vorwegnimmt. Die weit ausladende Einleitung verleitet den Dirigenten aber nicht zur grossen sinfonischen Geste. Er setzt auf einen schlanken Klang sowie auf zügige Tempi, die der Musik scharf umrissene Konturen sichern. Wie von selbst fügen sich unter Muellers Händen die Themen zur grossen Form in einer Sinfonie, über die Robert Schumann gesagt hat: «Jeder Satz ein Schatz». Mit Mozarts «Prager» wird es auch in die Zürcher Tonhalle Maag einziehen: Bereit für den grossen Auftritt ist es.

Weitere Konzerte: Di, 21.1: Kultur- & Kongresshaus Aarau; Do, 23.1.: Bahnhofsaal Rheinfelden; Fr, 24.1: Trafo Baden; Mo, 27.1: Tonhalle Maag Zürich.

Autor

Hansruedi Kugler

Meistgesehen

Artboard 1