Rückblende
Anno 1909: So sah die Welt im Geburtsjahr von Hans Erni aus

Die Schweiz erhält den dritten Nobelpreis, der erste Mensch fliegt über den Ärmelkanal – und der Schweizer Künstler Hans Erni wird geboren. Aber auch fünf Jahre vor und nach nach Ernis Geburt 1909 sind Meilensteine zu verzeichnen.

Stefanie Suter
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Paul Ehrlich (hier in seinem Arbeitszimmer 1900 in Frankfurt) wendete 1909 zum ersten Mal die Chemotherapie an.
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Emil Theodor Kocher erhielt 1909 als dritter Schweizer den Nobelpreis.
Der italienische Radrennfahrer Luigi Ganna gewann die erste Giro d'Italia.
Im Geburtsjahr von Hans Erni lebte der Maler Pablo Picasso auf dem Montmartre in Paris.
1909 überquerte der Franzose Louis Blériot als erster Mensch mit einem Flugzeug den Ärmelkanal (hier 1908).
Der US-Amerikaner Robert Edwin Peary erreichte 1909 als erster Mensch den Nordpol Nach seinen eigenen Angaben, was aber bis heute immer wieder angezweifelt wird.
Fünf Jahre vor Hans Erni erblickte der bekannteste spanische Maler des 20. Jahrhunderts das Licht der Welt: Salvador Dali.
1909 ist auch das Geburtsjahr der ersten Fluggesellschaft der Welt, der Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft. Sie betrieb unter anderem die «Hindenburg», die 1937 bei der Landung in den USA abbrannte. 36 Menschen kamen dabei ums Leben.
1909 - ein Jahr voller Ereignisse

Paul Ehrlich (hier in seinem Arbeitszimmer 1900 in Frankfurt) wendete 1909 zum ersten Mal die Chemotherapie an.

Wikipedia

1909 überquerte der Franzose Louis Blériot als erster Mensch mit einem Flugzeug den Ärmelkanal. Im selben Jahr erreichte der US-Amerikaner Robert Edwin Peary als erster Mensch den Nordpol – nach seinen eigenen Angaben, was aber bis heute immer wieder angezweifelt wird.

1909 ist auch das Geburtsjahr von Hans Erni. Der Schweizer Maler, Grafiker und Bildhauer starb am Samstag im hohen Alter von 106 Jahren.

Zeit des Wandels

Erni wurde in eine Zeit des Umbruchs hineingeboren: In der Schweiz feierte Ferdinand Hodler die grössten Erfolge als Maler und die Avantgarde der Kunst erfand den Expressionismus, Futurismus und Kubismus. Künstler wie Pablo Picasso, Ernst Ludwig Kirchner, Wassily Kandinsky und Kasimir Malewitsch wollten die Malerei neu erfinden – und träumten von einer besseren Welt und Gesellschaft. Ein Traum, der mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 jedoch abrupt endete.

Der international bekannte Schweizer Künstler Hans Erni ist mit 106 Jahren verstorben.
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Hans Erni in seinem Atelier.
Hans Erni
Noch immer sitzt Hans Erni täglich in seinem Atelier und zeichnet.
Hans Erni im Skulpturengarten beim Hans Erni Museum vor zwei Jahren (Archiv)
Hans Erni 1969 in Meggen
Kurator Rudy Chiappini posiert neben dem Werk «Saubere Energie» (1999), in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno
Das Werk «Tiger mit Holzsammlerin» (1973)
«5 Pferde» aus dem Jahr 1968
Das Werk «Poema Nucleare»

Der international bekannte Schweizer Künstler Hans Erni ist mit 106 Jahren verstorben.

Keystone

Fünf Jahre vor Hans Erni erblickte der bekannteste spanische Künstler des 20. Jahrhunderts das Licht der Welt: Salvador Dali. Der Surrealist, Grafiker, Schriftsteller, Bildhauer und Bühnenbildner erreichte aber nicht ein solch biblisches Alter wie Erni: Dali starb 1989 mit 84 Jahren.

Fünf Jahre nach Ernis Geburtsjahr kamen zwei bekannte Schauspieler auf die Welt: Der Brite Sir Alec Guinness («Lawrence von Arabien», «Die Brücke am Kwai») und der Franzose Louis de Funès, der berühmt war für seine Rolle des quirligen Cholerikers.

Die erste Fluggesellschaft und Borussia Dortmund

Auch ausserhalb der Kunstszene war 1909 ein prägendes Jahr: Der Deutsche Paul Ehrlich wendet zum ersten Mal die Chemotherapie an, William Howard Taft löst Theodore Rooosevelt als US-Präsident ab, der erste Giro d'Italia findet statt. Zudem wurde 1909 die heutige Haupstadt Israels, Tel Aviv, gegründet.

1909 ist auch das Geburtsjahr der ersten Fluggesellschaft der Welt, der Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft. Sie betrieb unter anderem die «Hindenburg», die 1937 bei der Landung in den USA abbrannte. 36 Menschen kamen dabei ums Leben.

Im Dezember 1909 wird der deutsche Fussballverein Borussia Dortmund gegründet – fünf Jahre nach «Bayer 04 Leverkusen». Übrigens: Das Gründungsjahr von «Bayer 04 Leverkusen» ist auch das Gründungsjahr des Weltfussballverbandes FIFA. Und: 1904 galten Sackhüpfen und Tabakweitspucken als Disziplinen an den Olympischen Sommerspielen in den Vereinigten Staaten – das einzige und letzte Mal. Im selben Jahr begannen auch die Arbeiten am Panamakanal.

1909 wurde der dritte Schweizer mit einem Nobelpreis ausgezeichnet: Emil Theodor Kocher erhielt den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über Physiologie, Pathologie und Chirurgie der Schilddrüse. Acht Jahre vorher vergab das Nobelkomitee die Nobelpreise zum ersten Mal. Der erste Friedensnobelpreis erhielt damals der Schweizer Henry Dunant für die Gründung des Roten Kreuzes.

«Ein grosser Humanist, Kämpfer für Frauenstimmrecht, AHV und gegen Atomwaffen ist heute verstorben.» Cédric Wermuth, SP-Nationalrat
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«Herausgestochen ist Hans Erni durch sein humanistisches und damit politisches Engagement als Citoyen. Wie kein anderer repräsentiert er die letzten 100 Jahre der Schweiz.» Moritz Leuenberger, alt Bundesrat
«Hans Ernis Tod hat mich überrascht. Ich habe noch vor drei Wochen ein inspirierendes Gespräch mit ihm geführt. Er hat mit seinem Museum viele Leute auch ins Verkehrshaus gebracht.» Martin Bütikofer, Direktor Verkehrshaus Luzern, wo auch das Erni-Museum zuhause ist
«Erni war ein Mann mit immenser Schaffenskraft. Er hat ein vollendetes Werk hinterlassen. Erni war nicht nur der älteste Einwohner von Luzern, sondern auch der berühmteste.» Stefan Roth, Stadtpräsident Luzern
«Mit Hans Ernis Tod geht eine Epoche zu Ende. Er hat nicht Kunst um der Kunst willen gemacht, sondern immer ein humanistisches Anliegen damit vermittelt.» Peter Fischer, Leiter des Zentrums Paul Klee und Kurator der grossen Ausstellung zum 100. Geburtstag von Erni
«Besonders an Hans Erni war, dass er seine Kunst in den Dienst seiner politischen Überzeugungen gestellt hat. Wir sprachen darüber, dass es in einer Welt, in der sich alles verändert, Stabilität nur in der Bewegung geben kann.» Alain Berset, Kulturminister

«Ein grosser Humanist, Kämpfer für Frauenstimmrecht, AHV und gegen Atomwaffen ist heute verstorben.» Cédric Wermuth, SP-Nationalrat

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