Opernhaus Zürich
Am Opernhaus Zürich ist das Ballet jetzt in Frauenhand – Ballettdirektor Christian Spuck geht nach Berlin, Andreas Homoki bleibt bis 2025

Die britische Choreografin Cathy Marston wird neue Ballettdirektorin und Chefchoreografin des Balletts Zürich. Damit wird die grösste Schweizer Kompanie zum zweiten Mal von einer Frau geleitet, endlich.

Daniele Muscionico
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Der Zürcher Ballettdirektor Christian Spuck und die designierte Ballettdirektorin und Chefchoreografin des Balletts Zürich, Cathy Marston. Christian Spuck wechselt nach Berlin.

Der Zürcher Ballettdirektor Christian Spuck und die designierte Ballettdirektorin und Chefchoreografin des Balletts Zürich, Cathy Marston. Christian Spuck wechselt nach Berlin.

Walter Bieri / KEYSTONE

Das Opernhaus Zürich meldet bemerkenswerte Personalentscheide. Intendant Andreas Homoki wird seinen Vertrag nach 13 Jahren nicht verlängern und verlässt das Haus 2025. In der Sparte Ballett wiederum wird ein Schritt in die Gegenwart getan: Das Ballett Zürich wird ab Herbst 2023 von einer weiblichen Künstlerpersönlichkeit geleitet. Die britische Choreografin mit Schweizer Pass, Cathy Marston übernimmt die Funktion von Christian Spuck, der dannzumal ans Berliner Staatsballett wechselt. Marstons Intendanz gilt zwei Spielzeiten und soll mit dem Ausscheiden von Homoki enden.

Eine Männerbastion muss durchlässiger werden

Mit der Ernennung von Cathy Marston scheint sich am Opernhaus Zürich eine Einsicht durchgesetzt. Die Besetzung der Chefpositionen durch ausschliesslich männliche Persönlichkeiten nämlich war bisher ein blinder Fleck. Nicht nur die Intendanz ist seit Bestehen des Hauses ausnahmslos männlich besetzt. Wenn in der neuen Saison der Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda von Fabio Luisi übernimmt, wird auch diese Position noch nie von einer Frau besetzt worden sein.

In der Sparte Ballett galt bisher die Amerikanerin Patricia Neary (1978-1985) als einsame Ausnahme. 2023 wird Cathy Marston nun die zweite Frau sein, die die Leitung innehaben wird. Marston war von 2007 bis 2013 Ballettdirektorin am Konzert Theater Bern und hat am Theater Luzern gearbeitet.

In Bern fiel sie künstlerisch auf durch ein bildstarkes Handlungsballett mit zentralen Frauenfiguren. Ausserhalb der Tanzszene wurde Marston zum Begriff, da sie sich stark machte gegen Pläne, die eine Auflösung der Sparte vorsahen.

Ein Karriereschritt für Christian Spuck

Spuck übernimmt in der Spielzeit 2023/24 mit dem Staatsballett Berlin die grösste Ballettkompanie Deutschlands. In der deutschen Hauptstadt reibt man sich die Hände. Denn bereits in Zürich hat der Choreograf mit Hauptstadtpotenzial seine Geschichten so erzählt, dass seine Compagnie zum Publikumsliebling wurde und internationale Anerkennung erhielt.

Aufsehen erregte er letztmals mit der Schweizer Erstaufführung der Avantgarde-Oper «Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen» von Helmut Lachenmann, der die fiktive Andersen-Figur mit der realen RAF-Protagonistin Gudrun Ensslin kurzschliesst. Die Produktion wurde mehrfach ausgezeichnet, und das Ensemble unter Spuck 2020 zur «Kompanie des Jahres» gewählt. Für die kommenden Spielzeit hat Christian Spuck die choreografische Uraufführung des Stücks «Monteverdi» angekündigt.