Nachruf

Abschied von Obelix: Zum Tod von Comiczeichner Albert Uderzo

Albert Uderzo (1986) an seinem Zeichentisch in den Idefix-Zeichentrick-Studios Paris.

Albert Uderzo (1986) an seinem Zeichentisch in den Idefix-Zeichentrick-Studios Paris.

Der französische Comiczeichner Albert Uderzo ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Das könnte das Ende der Asterix-Serie bedeuten.

Das Gallierdorf trauert. Albert Uderzo, einer der Schöpfer der Asterix-Alben, ist am Dienstag im Pariser Vorort Neuilly-­sur-Seine einem Herzinfarkt erlegen. Der gebürtige Italiener hatte über 30 Alben der weltberühmten Serie gezeichnet. In acht Fällen lieferte er auch das Drehbuch und die Texte, nachdem sein Weggefährte René ­Goscinny 1977 verstorben war.

Uderzo, Sohn eines Schreiners, war Autodidakt. Mit den Disney-Figuren aufgewachsen, begann er mit 14 im Stil der US-Comics zu zeichnen, bis er Goscinny kennen lernte. Der kleine Pole jüdischer Abstammung und der hochgewachsene Italo-Franzose erfanden Figuren wie den Indianer «Umpahpah». Den Durchbruch erzielten sie mit dem Gallierduo, das ihnen glich, ohne dass sie diese Ähnlichkeit gesucht hätten.

Obelix’ Äuglein und sein Bauchumfang waren nicht die einzigen Übereinstimmungen mit ihrem Erfinder Uderzo. Der bärenstarke Zeichner galt auch als empfindlich. Als eine Pariser Zeitung «Tim und Struppi» mit 230 Millionen verkauften Alben zelebrierte, beklagte sich Uderzo, Asterix (375 Millionen verkaufte Alben) sei doch ein viel grösserer Erfolg. «Und niemand spricht von uns», erklärte er. Was seine Fans wie bei einem Obelix-Scherz schmunzeln liess.

«Die spinnen, die Römer»: Asterix und Obelix bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Verhauen von Römern.

«Die spinnen, die Römer»: Asterix und Obelix bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Verhauen von Römern.

Noch eine Eigenschaft teilte Uderzo mit seinem gezeichneten Alter Ego – Grosszügigkeit, gemischt mit einer gewissen Unbeholfenheit. Das half ihm nicht immer bei der Verwaltung seines Verlags «Albert René». Seine Tochter Sylvie klagte Uderzo ein, weil er sie um ihren Anteil an der Asterix-Unternehmung gebracht habe. In Wahrheit war sie nur am Rande für den Verlag tätig, was 2014 auch ein Gericht abschliessend und ohne jede Entschädigung festhielt.

Uderzo verlor seine legendäre gute Laune auch nicht, wenn sich die Kritik an seiner Arbeit häufte. Erstmals, als er 1977 beschloss, auch ohne Goscinny weiterzumachen. Uderzo wusste, dass er nicht an den subtilen, genialen Wortwitz seines verstorbenen Freundes herankam: «Ich hatte Angst, nicht auf der Höhe zu sein. Aber als ich mich an die Arbeit machte, vergass ich meinen Komplex.»

Spritzigkeit wurde zusehends vermisst

Uderzos erstes Album in Soloregie, «Der grosse Graben», erschien 1980 in Anlehnung an den Fall der Berliner Mauer und erwies sich als Erfolg. Mit der Zeit vermissten aber auch bestandene Asterix-Fans Uderzos Spritzigkeit. Gesuchte Gags schlichen sich ein, und ein Ausflug in die Science-Fiction-­Sphäre misslang.

Mehr und mehr machte Uderzo auch die Arthritis zu schaffen. 2008 trat er 60 Prozent der Asterix-Rechte an den Pariser Grossverlag Hachette ab, und 2011 übergab er sein Werk in die Hände des jüngeren Autorenduos Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Der Schwerarbeiter «von 14 bis 84», wie Uderzo von sich selber sagte, behielt aber die Kontrolle über die bisher vier Alben Ferris und des Halbschweizers Conrad. «Sie machen nichts ohne meine Zustimmung», erklärte Uderzo. «Manchmal schaden sie dem Story-Verlauf mit zu vielen Gags.»

2018 erklärte er, dass mit seinem Tod auch die Comicserie ihr Ende finden wird: «Ich will Asterix nach meinem Tod nicht in anderen Händen lassen. Ich habe keine Lust, alles zu ­gefährden, nur damit die Kasse stimmt.» Die Frage ist, ob ­Uderzo das Ende testamentarisch festgelegt hat. Der Hachette-­Verlag würde das Abenteuer sicher weiterführen. Dabei scheint wirklich die Zeit gekommen, die epochale Comicserie zu beschliessen.

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