Ernährung

Zu viel Zucker durch Zivilisation

Bundesrat Alain Berset (rechts) informiert im Beisein von Coop-Chef Joos Sutter (links) in Mailand über die Absichtserklärung, die am Dienstag unterzeichnet wurde. Ziel ist es, den Zuckergehalt in Joghurts und Frühstücksflocken zu reduzieren.

Bundesrat Alain Berset (rechts) informiert im Beisein von Coop-Chef Joos Sutter (links) in Mailand über die Absichtserklärung, die am Dienstag unterzeichnet wurde. Ziel ist es, den Zuckergehalt in Joghurts und Frühstücksflocken zu reduzieren.

In den nächsten vier Jahren sollen Schweizer Lebensmittelproduzenten den Zuckergehalt in Joghurts und Müeslis reduzieren. Dass dazu nicht nur Erziehung und Bildung reicht, sondern auch Vorschriften, ist der richtige Weg.

Unser Körper ist eine sehr fein geregelte Maschine. Sie funktioniert unter den Umständen, für die sie entworfen wurde, auch bemerkenswert gut. Leider hat die Evolution in vielen Bereichen nur dafür geschaut, dass der Körper seine Bedürfnisse stillt, und ihn auf Defizitausgleich programmiert. Nur keinen Mangel aufkommen lassen. Nimm, was da ist. Morgen gibts vielleicht nichts mehr.

Dass Zucker im Überfluss und leicht erhältlich vorhanden sein könnte, hat die Natur nicht vorgesehen. Das sind die Schattenseiten der Zivilisation. Weil Körper und Gehirn «energiehungrig» sind, reagiert das Gehirn auf Zufuhr von Zucker mit der Ausschüttung von Belohnungssubstanzen (Dopamin). Suchtmittel wie Nikotin, Kokain oder Morphine haben ähnliche Wirkungen. Zucker macht deshalb auch «süchtig».

Dass hier eine Balance gekippt ist, merkt man auch, weil die Infektionskrankheiten, die sonst das Leben bedrohen, durch nicht übertragbare Krankheiten schon weit überholt wurden. Man nennt sie deshalb auch Zivilisationskrankheiten.

Weil es keinen biologischen Mechanismus gibt, der ein Zuviel an Zuckerzufuhr stoppt, muss deshalb auch «zivilisatorisch» eingegriffen werden. Das kann durch Erziehung und Bildung passieren – oder eben auch durch vorschreibende Massnahmen. Sie sind im Fall von Zucker nicht einfach lästig oder überflüssig, sondern notwendig. Jetzt sehen wir erst den Defekt, weil die Krankheiten auftreten. Der Vorlauf (die «Infektion») reicht aber weit zurück. Die Schäden sind grösser als beobachtet.

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