Kommentar

Wir sind nicht nur Konsumenten

Der Franken, als Symbol von Solidität, ist zum Opfer des eigenen Erfolgs geworden. In über hundert Jahren wurde er immer stärker - daran ändert auch die kurzfristige Erholung nichts.

Eigentlich können wir uns alle freuen. Wir können dank dem starken Schweizer Franken günstig einkaufen und in Deutschland günstig online shoppen gehen. Doch die Restaurants und die Läden in den Grenzregionen leiden, die Exportindustrie lagert aus, wo nur möglich, Schoggihersteller und Kleiderverkäufer kündigen Entlassungen an.

Der Franken, ein Symbol von Solidität, ist zum Opfer des eigenen Erfolgs geworden. In Krisen wurde unsere Währung für die Reichen aus aller Welt zum Zufluchtsort. Das machte die Währung noch stärker. Zur Freude der Vermögensverwalter, die in die Spitzenliga aufsteigen konnten. Als Anziehungspunkt unversteuerter Gelder ist die Schweiz nicht mehr von vornherein erste Wahl – seit der automatische Informationsaustausch mit dem benachbarten europäischen Ausland beschlossene Sache ist. Die Attraktivität des Frankens nimmt jedoch nicht ab. Die Schwäche Europas und Kriegsängste in vielen Teilen der Welt führen dazu, dass viele ihr Geld in der Schweiz bunkern wollen.

Der Franken wurde in den letzten hundert Jahren immer stärker. Daran ändert die kurzfristige Erholung nichts. Das fordert von exportorientierten Firmen, Detailhändlern, Hoteliers und von den Arbeitnehmern viel Flexibilität. Die Arbeit wird immer teurer. Man muss deshalb Uhrenunternehmer Nick Hayek recht geben, der von der Nationalbank Rücksichtnahme auf die Konjunktur verlangt. So wie das andere Nationalbanken im Übrigen auch tun. Die Aufhebung des Mindestkurses war wohl richtig, aber nicht der Weisheit letzter Schluss.

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