Ägypten

Putschist al-Sisi desavouiert den Mufti

Der ägyptische Präsident Al-Sisi (Archiv)

Der ägyptische Präsident Al-Sisi (Archiv)

Die ägyptische Justiz hält sich weiterhin an die von der Militärdiktatur vorgegebene Linie. Erwartungsgemäss bestätigte ein Kairoer Gericht das Todesurteil gegen Mohammed Mursi, den ersten demokratisch gewählten Staatschef Ägyptens.

Er sähe keinen Spielraum für Gnade und Nachsichtigkeit, verkündete der zuständige Richter. Zuvor hatte er den Mufti der Nilrepublik um eine Stellungnahme gebeten. So verlangt es das ägyptische Strafrecht.

Dass die höchste religiöse Instanz den Wunsch der Kairoer Junta nach Vergeltung ohne Murren unterstützt und nun ganz offiziell absegnet, ist nicht nur bedauerlich, sondern ein Skandal. Selbst der Mufti, eigentlich eine unabhängige Instanz, wird gezwungen, nach der Pfeife des Putschisten al-Sisi zu tanzen. Der ägyptische Präsident untergräbt damit die Würde und das Ansehen der einmal hoch geachteten Geistlichkeit, die man als Vermittler zwischen dem Staat und der Muslimbruderschaft dringend gebraucht hätte.

Doch um Vermittlung oder gar Aussöhnung geht es Sisi nicht. Der Autokrat ist fest entschlossen, seine politischen Gegner zu liquidieren oder bis ans Ende ihrer Tage in dunklen Kerkern wegzusperren. Solange Sisis Rachefeldzug im Westen abgenickt oder – wie neulich in Berlin – verharmlost wird, dürfte er seinen Kurs nicht ändern. Schliesslich ist Sisi ja auch ein «Garant für Stabilität» im Nahen Osten. Glaubt man im Westen. Tatsächlich ist der Ägypter aber das genaue Gegenteil. Mit seinem blinden Hass auf die vergleichsweise gemässigte Muslimbruderschaft stärkt er islamische Extremisten und Terroristen. Doch auch sie kennen keine Gnade und Nachsichtigkeit.

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