Erinnern Sie sich noch, wie wir bis weit in die 90er-Jahre hinein telefonierten? Die PTT verlangte horrende Preise. Sie liess uns nur zwischen einer Handvoll hässlicher grauer Telefone wählen. Und sie schrieb uns vor, dass deren Kabel fest in der Wand verankert sein muss, damit man das Telefon ja nicht ausstecken kann.

Beim Strom herrscht dieser Geist der frühen 90er-Jahre immer noch. Die privaten Haushalte und die kleineren Firmen müssen den Strom zwingend beim lokalen Elektrizitätswerk kaufen. Es gibt keinen Markt beim Preis, keinen Markt beim Angebot, keinen Markt beim Service. Wer mit seinem Stadtwerk nicht zufrieden ist, kann nur die Faust im Sack machen – wie damals bei der PTT.

Davon lebten viele lange gut: die Elektrizitätswerke, weil sie ein bequemes
Monopol hatten. Die Kantone und Gemeinden, weil sie an diesem Monopol kräftig verdienten. Und die Angestellten, weil sie keinen Stress fürchten mussten. Nun will der Bundesrat dieses Monopol endlich aufbrechen. Alle sollen wählen dürfen, bei wem sie zu welchem Preis welche Art von Strom kaufen. Und wenn ein Stromunternehmen ein innovatives Produkt hat, kann es dieses überall anbieten. Kurz: Es soll Schluss sein mit dem Strom-Sozialismus in der Schweiz.

Dass die Linken nun mit dem Referendum gegen die Vorlage des Bundesrats drohen, ist ein gutes Zeichen. Das machten sie auch bei der Liberalisierung der Telekommunikation in den 90er-Jahren. Trotzdem sind heute alle froh, dass wir nicht mehr mit hässlichen grauen Apparaten telefonieren müssen, deren Kabel zudem fest in der Wand verankert ist.