Alexis Tsipras hat es wieder geschafft – und zwar deutlicher als von den Demoskopen erwartet. Die griechischen Wähler haben ihn zwar mehrheitlich im Amt bestätigt, sie haben ihm aber die absolute Mehrheit verweigert, um die er gekämpft hatte. Das ist gut so, denn eine Partei allein kann Griechenlands Probleme nicht lösen – schon gar nicht das zerrissene Linksbündnis Syriza, das am Streit über das neue Spar- und Reformprogramm zu zerbrechen droht.

Die bereits vollzogene Abspaltung des linksextremen Flügels könnte Tsipras aber auf längere Sicht helfen. Er hat nun die Chance, Syriza vom linken Rand des politischen Spektrums in die linke Mitte zu führen. Damit könnte sich Syriza neue, gemässigte Wählerschichten erschliessen und von einer Protest- zur Volkspartei werden. Gerade weil sich Syriza noch im Umbruch befindet, wäre Tsipras nun gut beraten, eine möglichst breit aufgestellte Koalition zu bilden.

Ein düsteres Kapitel ist das starke Abschneiden der griechischen Neonazis. Sie konnten gegenüber dem Januar sogar zulegen. Geschuldet ist das vor allem der Flüchtlingskrise. Auch hier ist die neue Regierung gefordert.