Gastkommentar

Zukünftige Investitionen sichern

Darauf ist die Schweiz stolz - und das darf sie auch.

Die ETH Zürich gehört zu den zwölf Top-Universitäten der Welt.

Darauf ist die Schweiz stolz - und das darf sie auch.

Autor Stefan Fäs ist Chief Financial Officer und Partner bei der BioMedPartners AG in Basel und schreibt in seinem Gastkommentar über Schweizer Zukunftsfonds und ihre Bedeutung für den Wohlstand.

Die Schweiz investiert massiv in Forschung und Entwicklung und ist zu Recht stolz auf die ansässigen Spitzenuniversitäten. Doch bei der Umsetzung der Entwicklungsarbeiten in Produkte hapert es. Allzu häufig sind es angelsächsische Länder, die den Markt mit neuen Produkten erobern und Arbeitsplätze in zukunftsträchtigen Industrien schaffen. Dies liegt vor allem auch daran, dass diese Länder das Finanzierungsinstrument Venture Capital (VC oder Wagniskapital) zu einer Reife gebracht haben, die in der Schweiz noch nicht erreicht ist. So sind in den USA Firmen wie Google, Facebook, Amgen oder Genentech mit VC finanziert worden. Um die Voraussetzungen für Wagniskapital auch in der Schweiz zu verbessern, hat Ständerat Konrad Graber die Motion «Zukunftsfonds Schweiz» lanciert. Ein kleiner Teil der Pensionskassengelder soll zukünftig via Zukunftsfonds, der als eine Art «Fund-of-Fund» professionell von erfahrenen VC-Investoren verwaltet würde, jungen Schweizer Technologie-Firmen zufliessen und somit die Innovationskraft im Land langfristig sichern.

Nachdem der Ständerat diesen März die Motion «Zukunftsfonds Schweiz» angenommen hatte, stimmte am 10. September auch der Nationalrat der Motion zu. Inzwischen hat sich eine Arbeitsgruppe des Bundes gebildet. Die Gruppe wird in den nächsten Monaten die Umsetzung des Zukunftsfonds Schweiz in engem Austausch mit Vertretern aus der Praxis anpacken. Als CFO eines der wenigen langjährigen Schweizer VC-Investoren ist es mir ein grosses Anliegen, einem breiten Publikum aufzuzeigen, was für Vorteile eine erfolgreiche Umsetzung der Motion für die Schweiz mit sich bringt. Da in unserem Land weit über 2000 verschiedene Pensionskassen bestehen, sind die Risiken für einzelne Pensionskassen oft zu gross und das spezifische Wissen meistens nicht vorhanden, um individuell Investitionen in Jungunternehmen tätigen zu können. Mit dem Zukunftsfonds können die Ressourcen gebündelt und die Risiken auf mehr Schultern verteilt werden. Auch ist nachvollziehbar, dass Pensionskassenverantwortliche bis anhin ungern in die wenig bekannte Vermögensklasse VC investierten und sich dadurch stärker exponierten, als wenn sie – wie alle anderen auch – etwa in tief verzinste Staatsschulden investieren. Mit der Gründung des weitherum bekannten und vor allem politisch breit abgestützten Zukunftsfonds kann nun bei PK-Vertretern die Sorge des «Allein-Da-zu-Stehen» massiv abgebaut werden.

Man muss sich bei VC-Investments bewusst sein, dass man kurzfristig kaum positive Renditen erzielt, da insbesondere die Kosten der anfänglichen Investitionsjahre buchhalterisch nicht kapitalisiert werden dürfen. Doch Geduld lohnt sich. Zum einen winken – etwa bei Biotechfirmen nach Abschluss der oft gut 10 Jahre dauernden Medikament-Entwicklung – sehr hohe Erträge. Zum andern braucht ein erfolgreiches Investieren in Start-up-Firmen viel Erfahrung. Folglich durchleben VC-Investoren selbst eine Lernkurve. In diesem Sinne ist nicht überraschend, dass langfristig vor allem Folgefonds von erfahrenen VC-Investoren attraktive Renditen erwirtschaften. Vom Wissen solch erfahrener VC-Investoren soll und kann der Zukunftsfonds profitieren.

Ein anderer Aspekt, der die grosse Bedeutung des Schweizer Zukunftsfonds unterstreicht, hängt mit der Tatsache zusammen, dass seit ein paar Jahren der European Investment Fund (EIF) vermehrt grosse Summen in Schweizer VC-Fonds investiert. Doch EIF-Investments sind an Bedingungen, insbesondere geografische Restriktionen geknüpft. So verlangt der EIF, dass von den Fonds rund der doppelte Betrag der seitens EIF gesprochenen Gelder in im EU-Raum tätige Unternehmen investiert wird. Konkret führt dies dazu, dass Schweizer VC-Investoren häufiger im EU-Raum investieren und folglich Investment-Möglichkeiten in der Schweiz nicht immer berücksichtigen. Die volkswirtschaftlichen Nachteile sind offensichtlich und können dazu führen, dass ohne eigenen Schweizer Zukunftsfonds junge Unternehmer die Schweiz aufgrund fehlenden Wagniskapitals in Richtung Ausland verlassen.

Mit der Gründung des «Zukunftsfonds Schweiz» wird der Zugang zu Wagniskapital für Pensionskassen und für junge Unternehmen massiv erleichtert. So kann zukünftig der VC-Anteil von Schweizer PKs von derzeit vernachlässigbaren 0,02% auf mindestens 1% (in der USA sind es 5%) ansteigen und folglich dank der gesicherten Finanzierung innovativer Technologieunternehmen ein zentraler Beitrag zum langfristigen Erhalt des Schweizer Wohlstandes geleistet werden. Die jüngeren Generationen in diesem Land werden uns diesbezüglich dereinst dankbar sein.

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