Dienstag, 4. September. Es war noch Frühling, als wir bei der Hinfahrt die Toskana durchquerten. Die Natur war im Aufbruch - und wir irgendwie auch. Wir hatten eine fast endlos scheinende Zeit des Entdeckens und der Strandferien vor uns. Wir freuten uns, hatten aber auch einigen Respekt vor unserem kleinen Abenteuer. Wird es irgendwann langweilig? Hat man einmal genug von Italien? Was bedeutet die lange gemeinsame Zeit ausserhalb des Alltags für unsere Beziehung? Machen Gesundheit und Fitness über rund 4000 Velokilometer mit? Für endgültige Antworten ist es auch jetzt noch zu früh.

In der Toskana kündigt sich der Herbst an

Nun kündigt sich hier bereits der Herbst an. Die Trauben hängen tiefblau und prall an den Stöcken. Die Äpfel und Mispeln an den Bäumen werden orange-rot und schwer. Die Sonnenblumen sind am Verwelken und es raschelt am Strassenrand, wenn der Wind mit den dürren Maisstauden spielt. Auch für unsere Pizza-Tour beginnt sich der Zyklus langsam zu schliessen. Die verbleibende Zeit unterwegs wird «zählbar» - der Nimbus der endlosen Ferien verblasst. Auch wenn von Heimweh oder Stalldrang noch keine Rede sein kann, beginnt man sich verschämt auf das Zuhause, den Kontakt mit den Freunden und Angehörigen, auf die «Zeit danach» zu freuen.

Wie Zugvögel

Die Zugvögel ziehen im Rhythmus der Jahreszeiten. Wir irgendwie auch. Wir sind die seltsamen Vögel, die im Herbst nach Norden statt nach Süden ziehen. Der heutige Tag der Entscheidung ist irgendwie symptomatisch für die Situation: Als logische Konsequenz des gestrigen Volterra-Verzichts fahren wir von San Gimignano aus wie vorgesehen nach Westen, biegen aber bei Vicarello nicht nach Volterra ab, sondern fahren weiter, bis wir auf die Strasse durch das Val d'Era stossen.

Nun müssen wir uns entscheiden: Nach Süden bis Saline di Volterra und von dort nach Westen bis Cècina und dann der Küste entlang Richtung Livorno oder nach Norden in Richtung Lucca. Beim Süd-Kurs gäbe es zudem die dem Vernehmen nach sehr reizvolle Variante, bereits bei San Martino nach Norden abzuzweigen und über den letzten Hügelzug vor der Küste zu fahren.

Das Wetter zeigt den Weg

Das Wetter ist wechselhaft. Der Wind bläst von Südosten her dunkle Wolken auf uns zu. Im Nordwesten ist der Himmel noch blau. Man soll die Zeichen der Natur sehen!

Und zudem: auf der Nordroute kommen wir nicht nach Pisa. Das spricht für diesen Weg, denn wir haben beide genug von «Public Sightseeing».
Wundert sich da noch jemand, dass wir nun in Lucca sind?

Die heutige Zugvögel-Route: San Gimignano - Lucca, 90 km, 581 Hm

PS: Morgen wegen Ruhetag in Lucca voraussichtlich kein Blog.