De Schepper

Dr. Blocher und die Gipser

Werner De Schepper.

Werner De Schepper.

So redet Dr. Christoph Blocher in seinem Teleblocher.

«Ich mache die NZZ auf und sehe ein wunderschönes Bild von Philipp Müller, dem Präsidenten der FDP, das eigentlich gar nicht zu ihm passt: Er ist sehr geschmackvoll angezogen – hellbraunes Jackett, dunkelbraune Krawatte und ein Hemd. Geschniegelt wie aus einem Werbeprospekt – dieser Präsident der Freisinnigen. Da sagte ich mir: Der sieht jetzt noch schön aus. Was? Der äussert sich jetzt pointiert gegen den Gripen. Der hatte doch noch nie mit Flugzeugen zu tun. Da sage ich: Ja was ist denn der Philipp Müller von Beruf? Nein! Gipser früher, ein Gipsereigeschäft hatte er.»

Pfarrerssohn Christoph Blocher, Doktor der Jurisprudenz, Unternehmer und SVP-Nationalrat, hat recht: Philipp Müller ist gelernter Gipser. Nach der Bezirksschule in Reinach wusste er nicht recht, was er werden sollte, und ging für 14 Monate in die Westschweiz, um französisch zu lernen. Er wäre gern Jurist geworden. Aber Studieren war in der roten Arbeiterfamilie Müller kein Thema. So wurde er wie sein Vater Gipser und machte die dreijährige Lehre. 1972 ging er in die RS. Dann haute er für ein paar Monate nach Amerika ab. Schliesslich arbeitete er ein Jahr lang als Automobil-Renninstruktor in Brands Hatch und am Salzburgring. 1974 musste er zurück nach Reinach. Er übernahm das Gipsereigeschäft seines Vaters, «weil es sonst Konkurs gegangen wäre», wie Philipp Müller sagt. «Ohne KV-Kenntnisse und mit 200 000 Franken Schulden legte ich los. Nach acht Jahren war ich raus aus den Schulden und stand endlich in meinen eigenen Schuhen. Dann habe ich das Gipsereigeschäft zu einem Generalunternehmen umgebaut. Das Leben war meine Lehre.»

Was sagt uns nun Dr. Blocher über Philipp Müller, der nicht ganz freiwillig eine Gipserlehre gemacht hat und aus Liebe zum verschuldeten Vater dessen Geschäft übernahm? Dr. Blocher sagt uns: Müller ist nur ein Gipser. Ein Gipser versteht nichts von Flugzeugen. Ein Gipser hat keinen Stil, hat keinen Verstand von dem, was ein «geschmackvoller Anzug» sein könnte. Jackett, Krawatte und Hemd passen nicht zu einem Gipser. Beim Lesen der NZZ staunt Dr. Blocher, das dieser Mann der Präsident der Freisinnigen sein kann.

Was sagt uns das über Dr. Blocher? Dr. Blochers Welt ist die gute alte, ständische Schweiz. In dieser Welt ist ein Gipser dann ein guter Gipser, wenn er bei seinen Leisten bleibt, wenn er im weissen «Übergwändli» seinen Auftrag erfüllt und nicht dreinredet, wenn andere über grosse Dinge reden. Von milliardenteuren Fliegergeschäften verstehen nur milliardenschwere Unternehmer was.

In Teleblocher darf Dr. Blocher sagen, was er denkt. Das ist gut so. Im Aargau denkt das Volk anders und wählt einen Gipser nach Bern. Das ist noch besser.

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