Festivitäten

Mein Problem mit dem Chästag

«Da scheinen die Stadtmenschen einmal im Jahr zu glauben, das sei das wahre Landleben und man mittendrin.»

Fränzi Zwahlen-Saner:

«Da scheinen die Stadtmenschen einmal im Jahr zu glauben, das sei das wahre Landleben und man mittendrin.»

In Solothurn war Chästag. Die wohl jüngste Genuss-Veranstaltung im reichen Festivitäten-Angebot der Hauptstadt. Die gesamte Vorstadt, von Dornacher- bis Kreuzackerplatz war erfüllt von Käseduft ob in Raclette-, Fondue- oder in fester Form.

Insbesondere auf dem Dornacherplatz waren noch ganz andere Düfte und vor allem auch Flüssigkeiten wahrzunehmen, denn dort wurde eine «Viehschau» mit Prämierung abgehalten. Vorher durften die Rindviecher auch noch einen «Alpabzug» durch die Hauptgasse, den Kronenstutz hinunter zu ihrem Standplatz auf dem Dornacherplatz hinter sich bringen. Der Fasnachtsumzug kann einpacken.

Mir als im Thal lebender Solothurnerin kommt dieser Chästag und sein ganzes Drumherum jeweils seltsam vor. Da scheinen die Stadtmenschen einmal im Jahr zu glauben, das sei das wahre Landleben und man mittendrin. Landwirtschaft und Bauernbrauchtum werden auf den Betonplatz hingepflanzt und zur heimeligen Konsumveranstaltung degradiert. Mir geht das auf die Nerven.

Damit es klar ist: Ich gönne jedem Käsehersteller seinen Auftritt und sein Geschäft am Chästag. Aber bitte, lasst es doch auch beim Käse bewenden. Alpab- oder Aufzug, Viehschau und Treichler gehören nicht hierher.

Besucht besser mal eine echte Viehschau, einen Alpabzug, eine Jodlerchilbi auf einer der Jurahöhen oder im Buechibärg. Es gibt dies nämlich alles noch. Erst noch in echt und genau dort, wo es auch hingehört.

fraenzi.zwahlen@chmedia.ch

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