Der Allzweckwaffe Handy sei Dank: Heutzutage wird man selten von Fremden um den Weg gefragt. Aber es gibt Ausnahmen. Vor allem im Dietiker Limmatfeld-Quartier. Da stehe ich also vor der Redaktion, um frische Luft zu schnappen. Freundlich haut mich eine Rentnerin an. «Wissen Sie, wo die Überlandstrasse 26 ist? Wir suchen das Ärztezentrum Limmatfeld», sagt die Dame, während sie auf ihren Fresszettel blickt, auf dem sie die Adresse notiert hat. Hinter ihr lässt die angestrengte, leicht verzweifelte Gestik ihres Mannes darauf schliessen, dass sie zuerst auf eigene Faust gesucht haben.

«Sie sind nicht die ersten, die die Adresse nicht finden», sage ich. Das hellt das Gesicht der Suchenden schon etwas auf. Denn wo die Masse scheitert, ist das einzelne Scheitern kein Scheitern mehr. Und die Masse scheitert aus gutem Grund. «Um zur Überlandstrasse 26 zu gelangen, müssen Sie weiter weg von der Überlandstrasse», sage ich, und während mir das über die Lippen geht, merke ich, wie absurd das eigentlich ist. «Dort vorne links, dann die Grünaustrasse entlang, das Ärztezentrum ist auf den Fensterscheiben gross angeschrieben», fahre ich fort und rate dazu, genau hinzuschauen. Denn die Westhöfe des Limmatfelds sind nun schon seit Monaten grösstenteils mit Baugerüsten eingepackt, was die Beschriftung verdeckt. Grund dafür ist die Fassade, die offenbar nicht hielt, was sie versprach, wie es in den geflügelten Worten eines Gemeinderats aus dem Quartier heissen würde. Also musste sie sieben Jahre nach dem Bau saniert werden. Für uns in der Nachbarliegenschaft gab es kostenlosen Bohrlärm dazu – so wie es für jene, die das Ärztezentrum suchen, einen Gratis-Rundgang durchs Limmatfeld gibt. Den gönnte sich letzte Woche auch ein Zürcher Regierungsrat unter der Führung des Dietiker Stadtpräsidenten.

Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum passierte der hohe Gast auch die Limeco-Regiowärme-Baustelle bei der Überführung über die Überlandstrasse. Diese sorgt für enge Verhältnisse, wenn sich Fussgänger und Velofahrer zwischen Lärmschutzwand und Baustellengitter kreuzen wollen – neulich hat mich jemand fast über den Haufen gefahren. Oder ich bin ihm fast ins Rad gelaufen, wie auch immer. Wie sagte es kürzlich eine Leserin: «Limmattal, Baustellental.» Das bringt Komplikationen mit sich – so wie die Adressen-Vergabe im Limmatfeld. Diese führt dazu, dass die Walk-in-Praxis des Ärztezentrums eher zur Walk-around-Praxis wird.