Planzer will rund 100 Flüchtlinge beschäftigen: Als das Dietiker Transportunternehmen Ende letzten Jahres diese Ankündigung machte, schlug es damit hohe Wellen. Viele lobten die Initiative der Firma. Doch es gab auch kritische Fragen: Wird hier PR auf Kosten von Flüchtlingen betrieben? Geht es um die Rekrutierung von Billigarbeitern? Und: Werden uns die Flüchtlinge Jobs wegnehmen? Nun stellt Planzer-Teilhaber Severin Baer in der Limmattaler Zeitung erstmals vor, wie sich seine Firma die Integration der Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen in den Arbeitsmarkt vorstellt und was sie in den letzten Monaten diesbezüglich erarbeitet hat. Es ist einiges: Planzer und der Kanton Zürich haben sich zusammengesetzt und eine einjährige Integrationsanlehre konzipiert, die voraussichtlich bereits im Sommer anläuft. Nach dem Abschluss können die Flüchtlinge entweder als Arbeitskräfte bei Planzer oder einer anderen Firma in den Bereichen Unterhalt, Lager oder Reinigung einsteigen oder noch eine reguläre Lehre anhängen.

Das Engagement des Dietiker Unternehmens ist höchst bemerkenswert. Denn Planzer geht es ganz offensichtlich nicht darum, sich billige Arbeitskräfte zu besorgen. Dies beweist die Firma einerseits, indem sie betont, sie werde den Flüchtlingen marktübliche Löhne bezahlen. Andererseits schafft Planzer die Ausbildungsplätze und Stellen für die Flüchtlinge zusätzlich zu ihren bereits bestehenden. Es muss sich also niemand davor fürchten, dass er aufgrund der Initiative der Dietiker Firma schlechtere Karten bei der Stellensuche hat.

Als Motivation gibt Planzer-Teilhaber Baer an, man wolle etwas für die Integration von Flüchtlingen tun und die soziale Verantwortung wahrnehmen, die man gerade als Familienunternehmen habe. Damit tut die Firma jedoch weit mehr, als sich selber das Gefühl zu geben, man habe etwas Gutes gemacht. Denn die Tatsache, dass es für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene in der Schweiz ausgesprochen schwierig ist, den Weg in den Arbeitsmarkt zu finden, ist nicht nur für sie selber ein gewichtiges Problem. Es ist bekannt, dass, wenn die berufliche Eingliederung nicht gelingt, auch die gesellschaftliche Integration scheitert. Die Folgen sind gravierend: Der Aufwand, um später noch eine Integration zu versuchen, steigt, die Kosten steigen, die Frustration steigt – bei allen Beteiligten.
83 Prozent aller Flüchtlinge sind heute Sozialhilfebezüger

Zwar hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass der Schweizer Arbeitsmarkt auch dann kaum Schwierigkeiten hatte, zusätzliche Personen zu absorbieren, wenn überdurchschnittlich viele Flüchtlinge in die Schweiz gekommen waren. Insgesamt hat die Arbeitslosenquote nie besonders stark darauf reagiert. Das ist, vor allem längerfristig gesehen, positiv zu werten. Kurzfristig gesehen zeigt sich jedoch, dass der grösste Teil der Flüchtlinge in den ersten paar Jahren enorme Mühe hat, eine Stelle zu finden. So sind, wie eine Studie des Bunds zeigt, nach sieben Jahren in der Schweiz erst gerade vier von zehn Flüchtlingen berufstätig. Insgesamt sind aktuell zwei Drittel aller Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen arbeitslos. 83 Prozent sind gemäss Bundesamt für Statistik Sozialhilfebezüger.

Wer also etwas für die rasche berufliche Integration von Flüchtlingen tut, leistet einen wertvollen Beitrag, um später massive Folgekosten zu vermeiden. Doch damit nicht genug: Eine neue Studie zeigt, dass Länder mit einem offenen Umgang mit Immigration schneller wachsen. Aufgezeigt hat dies Marie Owens Thomsen, Chefökonomin von Indosuez Wealth Management. Es sei ein Gebot der ökonomischen Vernunft, dass man Immigranten möglichst rasch beschäftige, sagt sie. Denn die Kosten, die Flüchtlinge verursachen, könnten langfristig wieder aufgewogen werden. In Deutschland kam die Regierung zum Schluss, dass die Flüchtlinge im Jahr 2015 für ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent verantwortlich waren.
Es geht auch darum, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Auch in der Schweiz hat der Bundesrat die Zeichen der Zeit erkannt: Mit einem Pilotprojekt will er ab 2017 jedes Jahr 1000 Flüchtlinge ausbilden. Der Bund investiert hier nicht nur, weil er damit die Integration fördern will, sondern auch, weil er sich vorgenommen hat, das Potenzial der Arbeitskräfte in der Schweiz besser auszuschöpfen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken – gerade im Bau- und Gastgewerbe sowie in Gesundheits- und technischen Berufen, wo dieser besonders gross ist. Dass hier private Firmen wie Planzer bereits heute mit gutem Beispiel vorangehen, ist löblich.