Man reibt sich verwundert die Augen, wenn man den Satz liest: Die Limmattalbahn wird nicht kommen. Er stammt aus einem gestern in der Limmattaler Zeitung abgedruckten Leserbrief. Zwar ist der Inhalt nicht verwunderlich: Der Widerstand gegen die Limmattalbahn war schliesslich enorm, die Gegner gaben sich stets siegessicher. Was jedoch verwundert ist der Zeitpunkt. Zehn Monate ist es nun her, seit die Limmattalbahn vom Stimmvolk des Kantons am 22. November 2015 mit 64,5 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde. Danach wurde es ruhiger. Derweil geht es mit der Planung der Bahn mit Hochdruck voran, 2017 beginnt der Bau der ersten Etappe.

Doch nun wollen es die Gegner plötzlich nochmals wissen. Weil in Dietikon 64 Prozent der Stimmbevölkerung Nein zur Bahn sagten, will die IG «Limmattalbahn Nein» nun den Dietiker Stadtrat und Gemeinderat verpflichten, «bedingungslos» die Interessen dieser Mehrheit zu vertreten. Mit einer Initiative soll zudem erreicht werden, dass der Kanton nochmals über das Megaprojekt abstimmt. Nun ist es zwar nachvollziehbar, dass es ärgerlich ist, wenn man als lokale Gegner eines Projekts vom Kanton überstimmt wird. Doch ob es jetzt noch reicht, die Geschichte wieder umzuschreiben, ist höchst fraglich – und auch, ob der Kanton ein zweites Mal anders abstimmen würde. Nimmt das Limmattal das Geschenk, das der Kanton ihm machen will, an – wenn auch zähneknirschend –, sollte es sich dabei an Schwamendingen erinnern, dem 1978 von der Stadt Zürich ebenfalls ein Tram «aufgezwungen» wurde. Heute würde es niemand mehr hergeben wollen.

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