Kommentar

Totale Sicherheit gibt es nicht

Lina Giusto
An dieser Stelle im Zürcher Seefeld tötete Tobias K. am 30. Juni 2016 einen 42-jähriger Zürcher.

An dieser Stelle im Zürcher Seefeld tötete Tobias K. am 30. Juni 2016 einen 42-jähriger Zürcher.

Ein Häftling tötete während des Hafturlaubs. Nun fordert die Zürcher SVP, dass dieser abgeschafft wird.

Tobias K. kehrte nach einem eintägigen und unbegleiteten Hafturlaub nicht ins Gefängnis zurück. Auf seiner Flucht tötete er einen Mann im Zürcher Seefeld.
Nun werden im Kanton Stimmen laut – namentlich jene der SVP –, die eine Abschaffung des Hafturlaubes fordern. Dabei lässt die Partei ausser acht, dass absolute Sicherheit nicht existiert.

Der Hafturlaub ist ein gesetzlicher Auftrag. Ab einem bestimmten Zeitpunkt der Haftstrafe wird der Vollzug stufenweise gelockert – sofern nach Beurteilung von Experten und Angehörigen keine schwerwiegenden Gründe dagegen sprechen.

So war es auch bei K.. Am Tag seiner Flucht war er zum ersten Mal unbegleitet draussen. Zuvor hatte K. zwei begleitete Urlaube. 2016 gewährte die Strafanstalt Pöschwies, in der K. einsass, 500 Ausgangs- und Urlaubstage. In 98,5 Prozent der Fälle kehrten die Häftlinge pünktlich zurück. Bei 1,5 Prozent verspäteten sich die Insassen um Minuten oder Stunden. Im gesamten Jahr kehrte lediglich ein Häftling nicht zurück – Tobias K..

Mit der stufenweisen Lockerung des Vollzugs bis zum unbegleiteten Urlaub werden Häftlinge auf das freie Leben vorbereitet. Alleine in Zürich wurden 2016 insgesamt 500 Häftlinge aus der Haft entlassen. Käme man nun der SVP-Forderung nach, würden die Insassen nach dem Ende ihrer Strafe ohne Vorbereitung in die Freiheit entlassen. Man kann davon ausgehen, dass dabei die Bevölkerung einem noch grösseren Risiko ausgesetzt wäre.

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