Kommentar

Strassenverkehr soll ein Miteinander sein

Die Bushaltestelle Neumattstrasse an der Feldstrasse in Urdorf.

Kantonsräte fordern eine teure Busbucht in Urdorf. Dabei verkennen sie das wahre Problem.

Fahrbahnhaltestellen sind der Tod des Abendlandes: Diesen Eindruck erhält, wer verfolgt, wie sich die Gegner dagegen sträuben und jede Expertise des Zürcher Tiefbauamts ignorieren. Natürlich gibt es zwar Orte, wo Fahrbahnhaltestellen nicht sinnvoll sind. Aber die Urdorfer Feldstrasse gehört nicht dazu. Gäbe der Kantonsrat dort 70 000 Franken aus für eine Busbucht, an der zweimal pro Stunde ein Bus hält, wäre das ein liederlicher Umgang mit Geld, das vom Volk hart erarbeitet wurde. Sparauftrag: nicht erfüllt.

Dem zugrunde liegt ein tieferes Problem. Die Busbuchtenliebhaber fürchten, hinter einem Bus warten und Sekunden verlieren zu müssen. Das legt die gefährliche Einstellung offen, mit der sie offenbar ins Auto steigen: voller Stress. Rücksichtslos nehmen sie ein erhöhtes Unfallrisiko in Kauf.

Ganz anders die Leute vom Tiefbauamt, die die Strassen und Bushaltestellen planen. Zwar sind sie schon von Berufs wegen keine öV-Fetischisten. Aber sie haben längst erkannt: Verkehr soll kein gestresstes Gegeneinander sein, sondern ein friedliches Miteinander.

Dieses Miteinander kann richtig schön sein, wenn man hinter dem Lenkrad die richtige Einstellung hat. Tipp: Lassen Sie einem Fussgänger den Vortritt, der das nicht erwartet, halten Sie an für die hübsche Frau, den eiligen Manager mit Aktentasche, den aufgeweckten Schüler und die nette betagte Dame mit Gehstock. Das dankbare Lächeln, das zurückkommt, ist unbezahlbar und tut der eigenen Psyche gut – gerade jetzt, im deprimierenden Nebel. Und dann geben Sie entspannt Gas.

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