Für die SP war die Debatte um ihren Zürcher Regierungsrat Mario Fehr eine Zerreisprobe, die über den Kanton Zürich hinausstrahlte. Das zeigte sich daran, dass sich mit Christian Levrat auch der Präsident der SP Schweiz einschaltete. Die Sozialdemokratie stand wegen Fehr einmal mehr am Scheideweg: Kann sie eine Volkspartei bleiben, die das Spektrum von ziemlich weit links bis in die bürgerliche Mitte abdeckt? Oder führen die parteiinternen Spannungen zum Bruch, nicht nur zwischen Fehr und der Partei, sondern womöglich gar zum Auseinanderbrechen der Partei – und damit zur weiteren Zersplitterung der Parteienlandschaft. Beispiele dafür gäbe es zur Genüge, im In- und Ausland: von der SVP und der BDP über die Grünen und die GLP bis hin zur neuen italienischen Regierung, in der die alten Volksparteien keine Rolle mehr spielen.

Nach anstrengenden Diskussionen haben sich die Zürcher SP-Delegierten gestern Abend noch einmal zusammengerauft und Mario Fehr für 2019 als Regierungsrat der SP wieder nominiert – wie auch die weiter links politisierende Jacqueline Fehr. Die oft zur Selbstzerfleischung neigende SP kann damit weiterhin eine mitgestaltende Rolle spielen in der Regierung des bürgerlich dominierten Kantons Zürich. Doch es wird nicht die letzte Zerreissprobe sein in der über 125-jährigen Geschichte der Schweizer Sozialdemokratie. Und Mario Fehr wird weiter anecken, falls er auch nach den Wahlen 2019 die auf Bundesebene seit Jahren zunehmend verschärfte Asylgesetzgebung auf eine Art umsetzt, die ihn in den eigenen Reihen als Hardliner erscheinen lässt.