Kommentar

Sie wussten, was sie taten

Gabriele Heigl

Gabriele Heigl

Die am Abriss der alten Dietiker Villa in der Römerstrasse Beteiligten wussten genau, was sie taten. Ihnen war wohl bekannt, dass die Aufnahme des Hauses aus dem Jahr 1929 in die Inventarliste für schutzwürdige Gebäude unmittelbar bevorstand.

Da sollten vollendete Tatsachen geschaffen werden, alles andere ergibt keinen Sinn. Die Eile, mit der die Villa im zweieinhalbstündigen Hauruckverfahren plattgemacht wurde, spricht eine deutliche Sprache. Noch am Vortag waren die Abbrucharbeiter von der Stadt des Grundstücks verwiesen worden. Man hatte sich in einer frühmorgendlichen Aktion rasch eines Bauwerks entledigt, das einer dichteren, finanziell lukrativeren Bebauung im Wege stand.

Gut möglich, dass die betroffenen Firmen, darunter auch die des Architekten und Gemeinderats Lucas Neff und das Weininger Abbruchunternehmen Richi, ihr Handeln noch bitter bereuen werden. Die Stadt wird sich eine solche Zuwiderhandlung nicht bieten lassen und hat dabei das Recht auf ihrer Seite. Vielleicht wird nur eine Busse verhängt, wenn auch eine saftige. Vielleicht aber wird der durch den Abbruch erzielte Mehrwert komplett zugunsten der öffentlichen Hand abgeschöpft. Das würde richtig wehtun.

Belastend dürfte das Verfahren vor allem für den grünen Stadtparlamentarier Lucas Neff werden. Auf seine jahrelange Arbeit für das Wohl der Stadt ist jetzt ein Schatten gefallen. Er ist Mitglied der Partei, die für Nachhaltigkeit steht und führt den Schutz von Zeitzeugen im Munde. Nun hat er ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Das gilt auch für seine Äusserung, dass es keine Wertsteigerung des Grundstücks durch den Abriss gebe. Denn wenn dem so wäre, bliebe offen, wieso die Villa dann überhaupt weichen musste.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1