Wachstum ist ein Balanceakt. So soll die öffentliche Hand für Investoren attraktive Rahmenbedingungen schaffen, ohne dabei die Bedürfnisse der Bevölkerung zu vergessen. Ein aktuelles Beispiel aus Schlieren zeigt diesen Balanceakt exemplarisch auf: Ein Bauherr ersucht den Stadtrat um Lockerung der Lärmschutzvorschriften, da er diese bei neun Wohnungen seiner Überbauung nicht einhalten konnte. Die Exekutive winkt ab, obwohl es nur gerade um ein Dezibel geht. Der Bauherr akzeptiert dies und sucht nun nach einer anderen Lösung.

Für die Bevölkerung ist dies ein gutes Zeichen, denn die Schlieremer haben in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Wandel ihrer Stadt erlebt. Dass bei der rasanten Bebauung verschiedener Areale die Angst aufkommen kann, plötzlich in einer anonymen Grossstadt zu leben, ist nachvollziehbar. Gefürchtet werden dabei vor allem die negativen Aspekte: Schmutz, Unordnung und – Lärm. Letzterer steht einer hohen Lebensqualität diametral gegenüber. Bereits heute hat das Limmattal diesbezüglich an vielen Fronten zu kämpfen. Als Beispiele hierfür dienen der Zwist mit den SBB um den Gateway-Terminal oder die andauernde Fluglärm-Debatte.

Mit der Entscheidung, die Lärmschwellwerte nicht zu erhöhen, zeigt die Stadt, dass sie ein für ihre Einwohner erträgliches Wachstum will. Die Exekutive sendet das wichtige Signal, dass nicht die Interessen der Investoren oberste Priorität geniessen, sondern die Balance mit jenen der Schlieremer Bevölkerung.