In Oetwil herrscht Unruhe, seitdem der Gemeinderat eine Abstimmung über die Einzonung einer letzten Landreserve abgesagt hat. Er fand dies nötig, weil im Vorfeld viele Spekulationen darüber aufgekommen waren, was auf dem Ackerfeld gebaut werden soll. Nun will er zuerst mit den Landeigentümern sorgfältig abklären, was eine allfällige Einzonung für Auswirkungen auf die Gemeinde hat. «Das ist Demokratie», schreibt der Gemeinderat in einer aktuellen Mitteilung. Das sei höchst undemokratisch, sagen aber andere – allen voran die SVP. Die Absage sei ein aktives Vergehen gegen die Demokratie. Der Volkswille würde unterbunden und nicht angehört.

Nun schaltet sich eine dritte Partei in die Diskussion ein. Sie nennt sich «Komitee engagierter Oetwilerinnen und Oetwiler». Niemand kennt sie im Dorf, und sie äussern sich auch nicht. Auch dann nicht, wenn sie von der Zeitung mehrfach dazu angefragt werden, ihre Meinung zu erläutern. Sie schlussfolgern lieber in Flugblättern mit roten Lettern, fetten Wörtern und ein paar zusammenhangslosen Zahlen. Die Botschaft ist simpel: Der Gemeinderat hat das Vertrauen verspielt, deshalb verdient er bei der Abstimmung vom kommenden Wochenende ein Nein, wenngleich die Änderung des Gemeindegesetzes eigentlich wenig umstritten wäre.

Was Demokratie ist und was nicht, wird zur Zeit heftig diskutiert in Oetwil. Das ist richtig und ein gutes Zeichen für eine gelebte Demokratie. Aber auszuteilen und dann zu schweigen, ist zutiefst undemokratisch. Denn der eigentliche Kern der Demokratie ist die lebendige Debatte.