Die Schweiz ist ein solides Land. Dieses Image macht einen guten Teil ihres Selbstverständnisses aus. Ihre Uhren laufen präzise. Die Waagen auf den Märkten sind exakt geeicht. Darüber wachen verlässliche Eichmeister im Dienste eines sauberen Staates. Sie verrechnen dafür auf transparente Weise Gebühren, die der hohen Qualität ihrer Arbeit entsprechen, ohne überrissen zu sein – sollte man meinen. Doch dieses helvetische Selbstverständnis hat gestern im Zürcher Kantonsrat Risse bekommen. Von rechts bis links waren sich mit Ausnahme der EVP alle Parteien einig: Die Regierung muss die Abrechnungen der kantonalen Eichmeister unter die Lupe nehmen und unterbinden, dass nebst den eidgenössischen Gebühren noch Spesen verrechnet werden.

In manchen Fällen sind die von den Eichmeistern verrechneten Spesen offenbar höher als die eigentlichen Gebühren – und dies, obwohl sie eigentlich pauschal in den Gebühren enthalten sein sollten, wie der Kantonsrat kritisiert. Es geht nicht um riesige Summen: ein paar hundert Franken hier, ein paar hundert Franken dort. Doch sie summieren sich. Und letztlich zahlen die Konsumenten dafür. Denn die Gewerbler, die auf geeichte Waagen angewiesen sind, von Apothekern über Marktfahrer bis hin zu Mostbauern, reichen ihre Unkosten an die Kundschaft weiter. Nun ist der Zürcher Regierungsrat aufgrund eines gestern überwiesenen Postulats verpflichtet, einen Bericht über das Treiben der Eichmeister zu verfassen. Zwei Jahre hat er dafür Zeit. Er sollte rasch und mit helvetischer Gründlichkeit vorgehen.

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