Das Heft mit den Panini-Bildern haben meine Söhne längst voll. Und dennoch bleiben sie im Banne der Abziehbilder mit den Fussballern, die vielleicht in einem Monat in Russland um die Weltmeisterschaft kämpfen – so sie denn ins definitive Mannschaftskader kommen. Morgens nervt es besonders. Die Zeit ist knapp. Die Kinder sollten zur Schule, ich zur Arbeit. Doch zuerst gibts noch etwas viel Wichtigeres für den fussballverrückten Nachwuchs: Panini-Bilder sortieren. Schliesslich will man auf dem Schulweg, auf dem Pausenplatz und vielleicht auch während des Unterrichts noch ein paar gewinnbringende Tauschgeschäfte machen.

Ich gebe es zu: Als ich im entsprechenden Alter war, sammelte ich auch mit Leidenschaft Panini-Bilder. Meine Mutter erzählte manchmal lachend, dass ich die Daten zu Körpergrösse, Kampfgewicht und Geburtstagen von Karl-Heinz Rummenigge und Co nach dem monatelangen Studium der Fussballbibel auswendig herunterbeten konnte. Und doch habe ich die Schule einigermassen erfolgreich geschafft, vielleicht sogar auch Nützliches gelernt beim Panini-Studium. Im Grunde gar Grundlegendes: Genaues Lesen etwa – oder wie der Wert eines Bildes je nach Angebot und Nachfrage steigt und fällt. Kulturtechnik und Wirtschaftsverständnis also.

Das versuche ich mir nun manchmal einzureden, wenn die Kleinen zur Schule sollten, ich zur Arbeit, aber das Bildersortieren uns aufhält: Panini-Bilder sind pädagogisch wertvoll. Es gelingt mir nicht immer. Der Wahn geht weiter.