Bislang blieb der Zürcher Regierungsrat vage, wenn es darum ging, wie sich das Verhältnis zwischen öffentlichem und motorisiertem Individualverkehr (MIV) künftig entwickeln soll. Doch jetzt legt Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) konkrete Zielwerte vor: Von 30 auf 40 Prozent soll der öV-Anteil bis im Jahr 2030 steigen. Damit verbunden ist ein klares Bekenntnis: In urbanen Gebieten soll der öV deutlich mehr als nur die Hälfte des erwarteten Verkehrszuwachses aufnehmen. Die Zielsetzung ist mutig und inhaltlich richtig. Mutig, weil das Aufheulen der stark aufs Auto fokussierten politischen Kräfte absehbar ist. Richtig, weil in den boomenden urbanen Gebieten schlicht der Platz für noch mehr MIV fehlt. Dass die Digitalisierung den Autoverkehr schon bald komplett umkrempelt und die von Walker Späh ebenfalls vermehrt erhofften Fahrgemeinschaften massenweise hervorbringt, ist unwahrscheinlich.

Doch trotz allem Mut und trotz allen richtigen Absichten: Das Konzept der Regierung zeugt auch von Machtlosigkeit, hat doch mittlerweile der Bund und nicht mehr der Kanton beim Lancieren grosser Bahn- oder Strassenbauprojekte das Sagen. Nun setzt der Regierungsrat auf eine engere Verknüpfung von Verkehrspolitik und Raumplanung. Gezielte Verdichtung soll helfen, den öV zu stärken, indem sie dort stattfindet, wo die öV-Erschliessung gut ist. Das ist sinnvoll. Gleichzeitig kann die Regierung nur hoffen, dass der Bund dem Ausbau des Nadelöhrs Bahnhof Stadelhofen dereinst zustimmt. Ansonsten droht der S-Bahn als wichtigstem öV-Träger im Kanton Zürich der Kollaps.