Der Verband der Zürcher Mittelschullehrerinnen und -lehrer klagt vor dem Verwaltungsgericht gegen den Regierungsrat. Der Grund: Der Kanton hat als Massnahme seines Sparprogramms «Lü16» angekündigt, das Wochenpensum der neusprachlichen Lehrer auf 23 Lektionen zu erhöhen und so jenem der Mathe-, altsprachlichen und naturwissenschaftlichen Kollegen anzugleichen. Ihre Löhne sollen trotz der zusätzlichen Lektionen nicht steigen. Das sei nicht rechtens, findet der Lehrerverband.

Die Begründung für die bisherige Ungleichheit der Pensen – der Korrekturaufwand bei Prüfungen in Mathe oder Chemie sei kleiner als in Deutsch oder Englisch – ist sicher streitbar. Es lässt sich für Laien und Politiker kaum nachvollziehen, ob der Mehraufwand tatsächlich eine ganze Lektion pro Woche ausmacht. Klar ist, dass der Kanton angesichts seiner finanziellen Situation sparen muss und dass leider auch die Bildung vom Rotstift nicht verschont bleiben wird. Seltsam ist aber die knappe Begründung der Regierung, die höheren Wochenpensen für neusprachliche Lehrer lägen im Schweizer Durchschnitt.

Sie erweckt den Eindruck, dass im Vorfeld nicht abgeklärt wurde, ob die Ungleichbehandlung von Sprach- und anderen Lehrern gerechtfertigt war. Vielleicht weil man die Ergebnisse fürchtete? Als die Uni Zürich im Jahr 2000 die Arbeitsbelastung der Zürcher Lehrer untersuchte, kam heraus, dass Mittelschullehrer im Schnitt fast 400 Stunden mehr arbeiten, als sie müssten. Vor diesem Hintergrund sind Massnahmen wie Lohnkürzungen schwer zu rechtfertigen. Es ist daher gut, dass sich nun ein Gericht mit solchen Fragen befasst.

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