Persönlich

Kinder oder Löwen ernähren?

Die Zahl der weltweit hungernden Menschen ist von 785 Millionen im Jahr 2015 auf derzeit 822 Millionen gestiegen. (Symbolbild)

Die Zahl der weltweit hungernden Menschen ist von 785 Millionen im Jahr 2015 auf derzeit 822 Millionen gestiegen. (Symbolbild)

Lebensgefährlicher Hunger: Wenn man sich auf einmal grotesken Fragen stellen muss.

Wem würde ich eher ein Stück Brot geben: einem ausgemergelten Löwen oder einem hungernden Kind? Diese Frage wirkt polemisch. Doch von vorne: Ich war in Karthum. Dort besuchte ich eine Klinik, in der pro Jahr Hunderte unterernährte Kinder behandelt werden. Während des Mittagessens mit dem medizinischen Personal redeten wir über die Situation im Sudan.

Während ich in meinem Reis stocherte, sagte einer: «In der Schweiz wurde kürzlich über die Situation der hungernden Löwen im Zoo von Karthum diskutiert.» Dass Löwen verhungern, sei wohl kein Wunder in einem Land, in dem es immer wieder dazu komme, dass Kinder vor Hunger sterben, meinte ein einheimischer Arzt. «Man könnte den Löwen ja vom Milchpulver für die Unterernährten geben», sagte jemand.

Ich kam in ein Dilemma. Sich ums Tierwohl zu kümmern, ist für mich von Kindsbeinen an das Normalste der Welt. Ich weiss auch, dass man sich in Europa an die Bilder hungernder Kinder gewöhnt hat, dass Tiere verhungern, schien dagegen neu. Doch dies Ärzten zu erklären, die sich gerade erst um ein hungerndes Kind gekümmert haben, wirkte grotesk. Nur zu klar wurde mir bewusst, wie oft man aus der Ferne wenig vom Hauptproblem mitbekommt. Das kleinere Übel scheint nun behoben zu werden: Ein Löwen-Care-Team hat ein Visum bekommen, um die Löwen in der Stadt mit acht Millionen Einwohnern zu versorgen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1