Es ist ein Paukenschlag: Der Dietiker Stadtrat stoppt das Projekt für die Neugestaltung des historischen Kronenareals per sofort. Dies erstaunt einerseits: Denn die Planung dafür läuft nun schon seit sage und schreibe neun Jahren und hat in dieser Zeit bereits knapp 1,4 Millionen Franken verschlungen – viel Geld für
eine Stadt, die finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Andererseits ist man sich mittlerweile daran gewöhnt, dass es bei diesem Projekt immer wieder zu Verzögerungen, Stopps, Neuplanungen und grösseren Problemen kommt. So verlor die Stadt unter anderem einen Rekurs wegen mangelhafter Bauabstände, wurde vom Kanton zurückgepfiffen, weil die Gestaltung der Gebäude teilweise nicht mit der Kernzonenbestimmung vereinbar war und wurde vom verschärften Hochwasserschutz auf dem falschen Fuss erwischt. Kein Wunder, haben angesichts der diversen Verzögerungen und Unsicherheiten auch interessierte Investoren die Geduld verloren.

Nun mag auch der Stadtrat nicht mehr. Er macht aus der Not eine Tugend und hat beschlossen, die historischen Gebäude auf dem Areal stehenzulassen und zu renovieren, statt, wie ursprünglich geplant, abzureissen und mit neuen Mehrfamilienhäusern zu ersetzen. Während er vor ein paar Jahren noch Feuer und Flamme für das Neubauprojekt war, betont er jetzt, man müsse «aus heutiger städtebaulicher Perspektive dem Wert der historischen Substanz der Gebäude um den Kronenplatz mehr Bedeutung geben». Es ist klar: Diesen Entscheid hat der Stadtrat nicht nur freiwillig getroffen. Das gibt er auch zu: Stadtpräsident Otto Müller spricht von einer Rückbesinnung, die durch veränderte Rahmenbedingungen ausgelöst wurde. Nichtsdestotrotz ist das Resultat – sieht man einmal vom verlorenen Geld und der vielen investierten Zeit ab – durchaus positiv. Denn der historische Ortskern ist das einzige Eckchen Altstadt, das Dietikon hat. Schön, dass es nicht verloren geht.

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