Der elfte Limmattaler Sitz im Zürcher Kantonsrat ist ein heisser Stuhl. Für Andreas Wolf (Grüne), gewählt 2011, rückte 2014 Patricia Ljuboje nach. 2015 schnappte sich Beatrice Krebs den Sitz für die FDP, für sie rückte 2015 Martin Romer nach, der 2018 zur BDP wechselte. Und nun ist der Sitz zurück bei den Grünen. Nicht gerade eine Wechselkadenz wie auf einer Fussballtrainer-Bank, aber doch bemerkenswert. Manche nennen diesen Platz darum auch den Pukelsheim-Sitz, nach dem geltenden Wahlsystem, das diesen einen Limmattaler Sitz zuweilen sehr knapp vergibt.

Dass sich die Grünen den Sitz nun zurückerobert haben, hat aber mitnichten nur mit mathematischen Modellen und Rundungen zu tun. Zum einen spielte 2019 auch die grüne Welle mit. Zum anderen zeigt sich ein Trend, dass das Limmattal in kleinen Schritten linker wird. Man erinnere sich an die kommunalen Limmattaler Wahlen letztes Jahr, die SP, Grünen und Grünliberalen zusätzliche Sitze im Schlieremer Gemeindeparlament bescherten. Dieser Erfolg hat sich jetzt ein erstes Mal bestätigt.

Dass nun im Limmattal die Linken weiter zulegen – in Schlieren hat die SP die SVP überholt und war gestern stärkste Kraft – erstaunt nicht. Die Urbanisierung ist hier wegen der Nähe zu Zürich stark. Das zeigt sich nun auch bei den Kantonsratswahlen.

Abgesehen von diesem Linksrutsch bei einem Sitz präsentiert sich die Lage im Limmattal erstaunlich stabil. Alle anderen zehn Bisherigen wurden wiedergewählt. Ob sich nächstes Mal auch die Grünen über eine Wiederwahl freuen dürfen, ist abhängig von den nächsten vier Jahren. Das Ziel der Grünen muss es sein, dass sich ihr heisser Stuhl wie das Klima wieder etwas abkühlt, damit ihr neuer Kantonsrat Manuel Kampus dort länger als eine Legislatur wirken kann. Andere Parteien werden diesen Sitz 2023 aber wieder anpeilen. So etwa die FDP, die mit Umweltschutz punkten will, was ihr die Wähler aber noch nicht richtig abkaufen. Der elfte Limmattaler Sitz könnte 2023 erneut die Runde machen.