Fast zwei Drittel der Zürcher Stimmberechtigten sind sich einig: Die Zeit, in der Laien gerichtliche Urteile fällen durften, ist vorbei. Zwar können jene Nichtjuristinnen und Nichtjuristen, die bereits ein Amt am Bezirksgericht innehaben, auch weiterhin wiedergewählt werden. Doch im Grunde gilt ab nächstem Jahr: Auch wer in erster Instanz richten will, muss über einen Jus-Abschluss verfügen.

Es erwies sich als kluger Schachzug der Initianten, dass sie für die Professionalisierung der Gerichte eine Übergangsklausel einräumten. Denn würden mit der Gesetzesänderung bereits gewählte Laienrichter aus ihren Ämtern enthoben, so wäre dort, wo heute Nichtjuristen einen Richterstuhl innehaben, der Widerstand sicher grösser gewesen.

Schwach waren hingegen die Argumente der Gegner: Es mutet zwar urdemokratisch an, wenn man die Bodenhaftung und die Lebenserfahrung von Laienrichtern anführt und befürwortet, dass sie im Gerichtssaal eine andere als die juristische Perspektive vertreten. Doch vergessen diese Stimmen, dass Juristen nicht in einem Elfenbeinturm leben. Sie bewegen sich tagtäglich in unserer Gesellschaft und verkehren im Privatleben wohl genauso wenig nur mit Berufskollegen wie Gärtnern, Polizisten oder Grafikern. Auch ihnen darf man also zutrauen, dass sie über das Gespür für verschiedene Lebenswelten verfügen und jenen auf der anderen Seite des Richterpults mit dem nötigen Einfühlungsvermögen begegnen können.

Dazu kommt, dass die Kompetenzen der Bezirksrichter in den letzten Jahren gewachsen sind. Heute urteilen sie nur noch selten in einem Dreiergremium und sind meist auf sich alleine gestellt. Laienrichter können daher bei ihren Entscheiden nicht mehr auf das juristische Wissen von erfahrenen Profis zurückgreifen. Vor diesem Hintergrund ist der Abstimmungsentscheid richtig. Oder würden Sie einen Bäcker damit beauftragen, Ihr Haus zu bauen?