Ihre Chancen stehen schlecht: Jungpolitiker von links bis rechts haben eine Petition mit 2000 Unterschriften an den Stadtrat überreicht. Das Komitee «Pro Nachtleben Zürich» will damit erreichen, dass Klubs und Bars weniger stark reguliert werden. Dessen Kritik stösst bei der Stadt aber auf wenig Verständnis. Die Behörden versuchen in erster Linie, die Auswirkungen des Nachtlebens auf die Anwohner in einem erträglichen Mass zu halten.

Klar ist: Die Entwicklung zur 24-Stunden-Gesellschaft hat dazu geführt, dass die Nachtruhe vielerorts regelmässig gestört wird und an den Ausgehmeilen oft viel Abfall herumliegt. Doch dem trägt der Zürcher Stadtrat Rechnung, indem er seit einigen Wochen unter anderem mit einer Sensibilisierungskampagne und mobilen WC-Anlagen entlang der Langstrasse schlichtend eingreift. Es wird sich zeigen, ob diese Massnahmen etwas bewirken. Klar ist aber auch – und hierin haben die Petitionäre recht: Das Nachtleben gehört zu einer Stadt wie Zürich. Wer an eine Ausgangsmeile zieht, sollte daher eine erhöhte Toleranzgrenze mitbringen.

Das gilt nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Situation der Jugendlichen. Da ihnen oft das Geld für teure Eintritte und Getränke fehlt, können sie sich im Ausgang nicht im Schutz von Bars und Klubs bewegen. Um mit Freunden ein Bier zu trinken, bleibt also nur ein Platz im Freien. Doch wenn der Konflikt zwischen Klubs und Anwohnern dazu führt, dass sich die Fronten verhärten und Letztere bei jedem Mucks vor ihrem Haus die Polizei rufen, fällt selbst das weg. Die Leidtragenden wären damit ausgerechnet die Jugendlichen, die vom viel kritisierten kommerziellen Nachtleben kaum profitieren können.

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