Als ich vor knapp 30 Jahren als Studentin in die Schweiz kam, erschreckte mich jedes Mal der Anblick von jungen Rekruten in Uniform und mit Sturmgewehr im Zug. Die Situation war so ungewöhnlich und beängstigend für mich, dass ich, die eine sehr pazifistische Erziehung in Deutschland genossen hatte, aus echter Angst den Zugwaggon wechselte.

Etwas später wohnte ich mit meinem Schweizer Freund zusammen, der natürlich ein Sturmgewehr hatte. Das Gewehr lag im Keller. Eines Tages kam er mit dem Teil in die Wohnung, weil er das obligatorische Schiessen absolvieren musste. Etwas irritiert stellte er fest, dass die Waffe im feuchten Keller total verrostet war. Das bedeutete für ihn Ärger, aber für mich hatte dieser Umstand etwas Beruhigendes.

Jahre später als Mutter von zwei Jungs ist die Dauerdiskussion über die Notwendigkeit von Kilbi-Schiessständen, Nerf-Ausrüstungen, Airsoft-Arenen, Shootergames ein fast alltägliches Ritual. Sie haben inzwischen am Dorfschiessen teilgenommen und – ich gebe es zu – wir waren schon einmal in einem Schiessstollen am Fusse des Brünigpasses.

Und nun wurde mein grosser Sohn vom Weininger Gemeinderat ehrenvoll empfangen und ausgezeichnet, weil er beim diesjährigen Knabenschiessen der beste Weininger Schütze war. Ich bin mega stolz auf meinen Sohn und freue mich sehr über seinen Erfolg. Die Freude überwiegt alle Vorbehalte, die ich weiter gegenüber Waffen habe. Aber ich erwischte mich auch beim Gedanken, ob meine Freude nicht auch Zeichen einer gelungenen Integration ist.

Riccarda Mecklenburg ist Publizistin und Inhaberin von CrowdConsul.ch. Sie lebt in Weiningen.