Seit dem unsäglichen amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf hat das Thema Social Media eine neue Dimension erreicht. Aus mehr oder weniger spassigen Austauschforen wie Facebook, Twitter, Instagram etc. sind Dreckschleudermaschinen geworden, die zum Teil asoziale, hetzerische Meinungen und vorsätzliche Lügen global verbreiten. Zu Beginn der Social-Media-Ära waren die Opfer eher Jugendliche, die sich gegenseitig beleidigten. Dann nahm man globale Firmen ins Visier, die mit gezielten Shitstorm-Kampagnen zu Transparenz und Nachhaltigkeit geprügelt wurden. Das hatte immerhin noch einen kleinen sittlichen Nährwert.

Was aber jetzt mittels Fake-News, Filterblasen, gezielter Propaganda mit Lügen und Beleidigungen passiert, zielt auf die Destabilisierung unserer demokratischen Gesellschaft. Demokratie braucht als Basis korrekte Informationen und den zivilisierten Meinungsaustausch. Medial verbreitete Lügen oder Bedrohungen sind der schleichende Tod einer Demokratie, denn Menschen werden dadurch unsicher, ängstlich und Angst macht manipulierbar.

Da sich Facebook und Co aber nicht verantwortlich für die Erosion des demokratischen Austauschs fühlen, sondern nur den Algorithmus des Geldes im Fokus haben, könnte man ihnen das Geldverdienen verbieten. Ich könnte als Social-Media-Expertin gut auf Facebook verzichten, denn in kürzester Zeit wäre ein neues Tool auf dem Markt, das die Probleme der Hetzen, Lügen und Schmähungen besser in Griff hätte. Gerade Facebook muss den gesellschaftlichen Shitstorm spüren, denn es ist der grösste Profiteur dieser demokratiezerstörenden Entwicklung.

Riccarda Mecklenburg ist Publizistin
und Inhaberin von CrowdConsul.ch.
Sie wohnt in Weiningen.