Vieles spricht für Schlieren. Investoren stehen auf die Stadt, weil sie im Gegensatz zu Zürich noch deutlich mehr Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Junge, gut ausgebildete Berufstätige ziehen in Scharen in die Limmattaler Stadt, weil es dort, ebenfalls im Gegensatz zum grossen Nachbar, erschwingliche und trotzdem schöne Wohnungen gibt – und man in elf Minuten am Zürcher HB ist. Auch Firmen fühlen sich wohl in Schlieren, weil die Stadt ihnen, vor allem mit den Biotech- und Start-up-Clustern, gute Rahmenbedingungen bietet.

Doch die Stadtentwicklung hinkt dem dynamischen Wachstum der Stadt hintendrein. Nach wie vor ist das Zentrum ein Ausbund an Hässlichkeit: Der verödete Kiesplatz lädt keinen Menschen zum Verweilen ein, stattdessen regiert im Zentrum der Verkehr. Und das, obwohl sich der Stadtrat schon vor 17 Jahren vornahm, die Schlieremer Mitte aufzuwerten. Vor elf Jahren, als die Stadt ihr letztes Entwicklungskonzept präsentierte, sprach der damalige Stadtpräsident Peter Voser bereits davon, die Mitte stärken zu wollen: «Ein attraktives Zentrum strahlt auf die ganze Stadt aus.» Gelungen ist das bis heute nicht. Das liegt auch daran, dass der Stadtrat in der Vergangenheit teilweise mutlos agiert hat.

Doch nun sind die Weichen gestellt: Das Stimmvolk hat den neuen Stadtplatz abgesegnet. Die Limmattalbahn kommt. Die Verlagerung des Durchgangsverkehrs von der Zürcher-/Badenerstrasse auf die Bernstrasse ist aufgegleist. Und gestern stellte der Stadtrat mit dem neuen Stadtentwicklungskonzept vor, wie er sich die Zukunft vorstellt: ausgesprochen lebenswert. Doch obwohl es vielversprechende Massnahmen für die nächsten Jahrzehnte enthält, ist es richtig, dass zuerst endlich das Zentrum zum Begegnungsort werden soll. Nur so kann Schlieren seine verlorene Identität wiederfinden.

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