Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Wie bei der Geissweid-Vorlage traf der bürgerlich dominierte Gemeinderat einen bei Mitte-Links unbeliebten Entscheid, als er sich am Montag für eine verkürzte Begegnungszone beim Schlieremer Bahnhof aussprach. Wie bereits vor einem Jahr bei der Geissweid-Initiative – damals sollte der im Volksmund unter Chilbiplatz bekannte Ort mit einem Wohnbau versehen werden – sammeln Exponenten der SP, Grünen und GLP nun Unterschriften, um den Entscheid umzustossen. Sie wollen die volle, rund 300 Meter lange Tempo-20-Zone doch noch bauen lassen. Bei der Geissweid war man erfolgreich, zeigte sich das Stadtparlament von den 600 Unterschriften beeindruckt und nahm die Umsetzungsvorlage an.

Doch ist die Volksinitiative auch im Fall Begegnungszone das richtige Instrument? Ja, denn in diesem Streit muss das Stimmvolk das letzte Wort haben. Nicht nur, weil es eine wichtige Vorlage ist, bei der die Fronten verhärtet sind und die das Eingangstor zu Schlieren für die kommenden Jahrzehnte prägen wird. Auch der Umstand, dass eine von der Rechnungsprüfungskommission (RPK) erarbeitete Kompromisslösung in Sachen Verkehrsführung umgesetzt werden soll, ist unüblich. So ist die RPK eigentlich damit betraut, Bericht über Anträge von finanzieller Tragweite zu erstatten. Das Erarbeiten einer Verkehrslösung in einem derart komplexen Umfeld wie dem Schlieremer Stadtzentrum liegt nicht im Kompetenzbereich des Gremiums. Daher muss das Stimmvolk entscheiden, ob es dieses unkonventionelle Vorgehen mitmachen will oder nicht.