Dass es am 27. November im Kanton Zürich zur Abstimmung über die Umsetzung der Kulturlandinitative kommt, spricht schon mal für ein Ja. Die Hintergründe sind nämlich bemerkenswert: Im Jahr 2012 hatten gut 54 Prozent der Zürcher Stimmberechtigten die Volksinitiative der Grünen angenommen. Sie verlangte, dass Neueinzonungen von ackerfähigem Kulturland durch entsprechende Auszonungen andernorts kompensiert würden. So wollten die Grünen die Zersiedelung stoppen.

Allein: Die bürgerliche Mehrheit im Kantons- und Regierungsrat weigerte sich, die vom Volk angenommene Initiative umzusetzen. Mit dem kantonalen Richtplan, der auf die Verdichtung urbaner Gebiete abzielt, sei das Anliegen schon erfüllt, argumentierten sie. Doch das Bundesgericht pfiff sie zurück, sowohl aus inhaltlichen als auch aus formellen Gründen. Deswegen kommt es nun zur Abstimmung über die Umsetzung der Kulturlandinitiative.

Die Vorlage ist gegenüber jener von 2012 bereits ein Kompromiss: Nun sollen Einzonungen im Siedlungsgebiet nicht nur durch Auszonungen andernorts, sondern auch durch Aufwertung von Böden andernorts kompensiert werden können. 2014 hatten die Grünen dies noch als «Humustourismus» verunglimpft. Nun unterstützen sie die vom Regierungsrat ausgearbeitete Umsetzungsvorlage, während die Regierung ihre eigene, widerwillig erarbeitete Vorlage weiterhin zur Ablehnung empfiehlt.

Dass die Grünen den «Humustourismus» neuerdings bejahen, hat nicht zuletzt pragmatische Gründe: So können sie retten, was von ihrer Kulturlandinitiative noch zu retten ist. Doch die nun gegebene Vorlage ist auch ein im wahrsten Sinne des Wortes fruchtbarer Kompromiss: Wenn schon Ackerflächen im Siedlungsgebiet zugebaut werden, soll der Humus aus den Baugruben wenigstens nicht einfach als Abfall weggekarrt werden. Sinnvoller ist es, ihn andernorts auf ackerfähigem Kulturland weiterzuverwerten. Damit wird die an sich schon sinnvolle Verdichtung ökologisch nachhaltiger.

Dennoch lehnen der Regierungsrat und die bürgerliche Mehrheit der Parteien auch diesen Vorschlag immer noch ab. Ihr Argument: So werde Verdichtung zu aufwendig, sprich: zu teuer — und daher die Zersiedelung erst recht gefördert. Doch die Grünen kontern: Die Zusatzkosten beliefen sich pro Quadratmeter auf etwa 20 Franken, was bei Bauland-Quadratmeterpreisen um 1000 Franken nicht wirklich ins Gewicht falle — und übrigens auch die Mieten nur marginal verteuern würde.

Auf Zustimmung stösst die Umsetzungsvorlage nicht nur bei den Grünen, sondern ebenso bei der SP, der AL und neu auch bei den Grünliberalen. Auch der traditionell eher der SVP nahestehende Zürcher Bauernverband unterstützt die Vorlage, ebenso die EDU. Die Sorge um den Verlust ökologisch hochwertiger landwirtschaftlicher Produktionsflächen eint diese ungleichen Partner im Hinblick auf den 27. November.

880 Hektaren hochwertigen Kulturlandes gibt es in den Zürcher Siedlungsgebieten noch. Das entspricht der Fläche von rund 1200 Fussballfeldern. Angesichts des Baubooms und Bevölkerungswachstums der letzten Jahre, das laut Prognosen weiterhin andauern dürfte, lohnt es sich, für den Schutz des Kulturlandes einzustehen. Nicht aus romantischer Sehnsucht nach einer Bauernschweiz, sondern weil hochwertiges Ackerland eine nur sehr langsam erneuerbare Ressource ist. Wir alle sind auf diese Ressource angewiesen, falls wir uns künftig nicht grossteils von landwirtschaftlichen Importprodukten aus dem Ausland ernähren wollen.