Kommentar

Eigenständigkeit ist ein hohes Gut

Die Demenzabteilung verfügt über eine grosszügige Dachterrasse. Ähnliche Aussenbereiche sucht man auf den anderen Stockwerken vergeblich.

Die Demenzabteilung verfügt über eine grosszügige Dachterrasse. Ähnliche Aussenbereiche sucht man auf den anderen Stockwerken vergeblich.

Wer ein selbstbestimmtes Leben führt, kann sich nicht vorstellen, wie es ist, in fast allem um Hilfe bitten zu müssen. Und sei es nur für ein paar Schritte nach draussen. Für Seniorinnen und Senioren, die im Dietiker Alters- und Gesundheitszentrum wohnen und in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ist das Alltag. Seit dem Umbau im Jahr 2012 gibt es keine Balkone mehr am Zentrumsgebäude; auch Stockwerksterrassen stehen nicht zur Verfügung. Wer auf die Gartenterrasse will, muss jedes Mal eine Pflegekraft bitten.

Es gab gute Gründe dafür, dass die Balkone weichen mussten. Nur so konnten alle Zimmer mit Duschen und Toiletten ausgestattet werden – unverzichtbarer Standard. Dass aber im Zuge des Umbaus auch auf Terrassen verzichtet wurde, ist ärgerlich. Verglaste Loggien, die seither zur Verfügung stehen, sind kein Ersatz. Es handelt sich um kleine Zimmer mit grossen Fenstern. Gerade einmal vier Senioren können sich sitzend darin aufhalten. Dass sich nun eine Mehrheit der Dietiker Parlamentarier dafür einsetzt, dass die Bewohner ihre Eigenständigkeit in Sachen Luftzufuhr durch den Anbau von Stockwerksterrassen zurückerhalten, ist zu begrüssen.

Man muss im Alter von so vielem Abschied nehmen. Umso wichtiger ist es, das, was noch geht, so lange als möglich tun zu können, nicht frühzeitig darauf verzichten zu müssen oder hilfsbedürftig zu werden. Einfach ein paar Schritte an die Luft gehen, die Sonnenstrahlen auf der Haut spüren, dem Verkehr am Treiben zusehen oder einen Blick in die Sterne werfen – wer dafür jedes Mal den Beistand von anderen braucht, verliert Lebensfreude und Lebensmut.

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