Persönlich

Dümmer, als die Polizei erlaubt

Töfflis üben seit jeher eine Faszination aus – und so manche Erinnerung ist damit verbunden. (Symbolbild)

Töfflis üben seit jeher eine Faszination aus – und so manche Erinnerung ist damit verbunden. (Symbolbild)

Mitte Juli sind sie wieder über die Voralpen geknattert, am Red-BullAlpenbrevet für Mofas. Die Töfflibuben und ihre Sackgeldverdunster: meist beide in die Jahre gekommen, aber noch immer in Betrieb. Da kommt mir eine besondere Geschichte in den Sinn.

Einst befand sich der Dietiker Polizeiposten an der Florastrasse im Parterre eines Wohnhauses. Zuerst musste man eine knarrende Tür aufwuchten, bevor man in das kleine, kaltbeleuchtete Büro trat. Von einem Plakat an der Wand starrten einem grimmige RAF-Terroristen ins Genick, während man mit den Beamten sprach. Ich selbst war einmal dort, weil ich meinen Töffliausweis verloren hatte.

Beim Herausgehen sah ich rechts neben dem Hauseingang einen Haufen wertvoller Teile liegen. Von der Polizei konfiszierte, verchromte Herkulesgabeln, glänzende Scheinwerfer, lederne Sitzbänke und sogar einen kompletten Sachs-503-Motor! Wir versuchten damals, mühsam an die begehrten Teile zu kommen. Kein Wunder – gab es dazu doch fast nur den Schwarzmarkt, der auf höchst fragwürdige Weise mit Produkten versorgt wurde – meist ohne das Einverständnis des rechtmässigen Besitzers.

In meinem Geist blitzte die naheliegendste aller Ideen: Geile Teile fürs Töffli lagen da frank und frei bei der Polizei! Der Plan war folgender: Da es sich bei dem Plunder sowieso um Diebesgut handelte, würde es doch keine Rolle spielen, wenn die Trouvaillen noch einmal geklaut würden. Also postierte man sich eines Nachts vor dem Posten. Dann ruck-zuck die besten Stücke rausgepickt, unter den Arm geklemmt und mit dem Töffli abgehauen ins dunkle Dorf hinaus. Alles wäre gut gegangen, hätte nicht zur selben Zeit ein Polizeiauto patrouilliert, die jungen Verkehrsteilnehmer aufgegriffen und gefragt, was man denn um diese Zeit mit den vielen Sachen anzufangen gedenke.

Vorerst waren die Gesetzeshüter noch einigermassen geduldig beim Anhören unserer hilflosen Erklärungen. Als sie jedoch erfuhren, dass die Dinger aus ihrem eigenen Depot stammten, wurden ihre Gesichter finsterer als die finstere Nacht. Nebst dem Verlust der herrlichen Töffliteile winkte mir ein Verhör mit einem sehr düpierten Polizeichef und eine Vorladung ans Zürcher Bezirksgericht, wo der Fall dann zum Glück mit einer Verwarnung sein Ende fand. Die Polizei baute daraufhin einen festen Zaun um ihr gelagertes Sammelgut, und ich glaube, dieser «Raubzug» blieb bis heute der einzige seiner Art in Dietikon.

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