Asylsuchende, vorläufig Aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge sollen im Kanton Zürich leichter Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten. Ein entsprechendes Postulat hat der Zürcher Kantonsrat gestern mit grosser Mehrheit überwiesen.

Die Debatte war bemerkenswert, aus mehreren Gründen: Zum einen kommt es selten vor, dass grosse Teile des bürgerlichen Lagers von der FDP bis hin zur BDP einer Meinung mit der Ratslinken sind.

Zum anderen setzte die SVP bei ihrem Nein zum Postulat unverhohlen auf den Geist Donald Trumps: «Ich will keine Extremzustände in der Schweiz. Aber Ihr Verhalten führt dazu», rief SVP-Kantonsrat Roger Liebi der Ratslinken zu. Er und seine Parteikollegen inszenierten sich als Vertreter einer einheimischen Arbeiterklasse, um die sich die Linke nicht mehr kümmere.

Besonders glaubwürdig ist dies nicht, da sich die SVP sonst kaum je durch die aktive Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen hervortut. Auch diesmal nicht: Zahlenmässig sind Asylsuchende nämlich ein marginaler Faktor auf dem hiesigen Arbeitsmarkt. Nur acht erwerbstätige Asylsuchende gab es im vergangenen September im Kanton Zürich.

Das mag mit der von den Postulanten kritisierten Politik des Kantons zu tun haben. Doch selbst wenn diese gelockert würde, hätten einheimische Arbeitnehmer immer noch grosse Heimvorteile auf dem Arbeitsmarkt: Sprachkenntnisse, Kenntnisse der hiesigen Kultur, persönliche Netzwerke. Handkehrum könnte eine stärkere Integration Asylsuchender im Arbeitsmarkt bringen, was die SVP sonst immer fordert: tiefere Sozialhilfekosten.