Kaum sind die Gerüste am Swissmill-Tower im Zürcher Kreis 5 verschwunden, schon entbrennt ein Streit. Die Gestaltung des 118 Meter hohen, fensterlosen Betonturms ist vielen zu brutal, zu grau, zu abweisend. Andere wiederum loben, er sei wohlproportioniert, filigran und verweise als eine Art Monument auf die industrielle Vergangenheit des Quartiers.

Es ist erstaunlich, dass das Getreidesilo derart polarisiert.

Den Gestaltungsplan, der ihm zugrunde liegt, genehmigten 2011 noch alle Stadtkreise bis auf den Kreis 10 relativ klar. Und ein Baukollegium mit hochkarätigen Architekten attestierte auch dem Bauprojekt eine sehr gute Gestaltung. Dass nun in den sozialen Medien und den Kommentarspalten die Aussenhülle derart kontrovers diskutiert wird, zeigt vor allem zwei Dinge. Erstens: Schönheit ist Geschmackssache und hat nur bedingt mit dem Fachwissen des Betrachters zu tun. Zweitens: In einer boomenden Stadt wie Zürich ist der Wert einer guten Raumplanung kaum zu überschätzen. Denn die Bewohner nehmen sehr wohl wahr, wie, was und wo gebaut wird.

Zugegeben: Die blanke, nur von feinen Rillen durchzogene Hülle des Swissmill-Towers wirkt im Vergleich mit den anderen Neubauten in Zürich-West etwas abweisend. All die Wohn- und Bürohochhäuser aus Glas, Stahl und Beton, die dort in den letzten Jahren entstanden sind, sind offener, zugänglicher. Doch das ist genau die Stärke dieses gigantischen Getreidesilos: Es bildet einen wohltuenden Kontrast zur glatt polierten, sterilen Neubau-Welt um ihn herum. Es ist ein modernes Zitat der Fabriken, die dort früher standen. Ein Grabstein der dreckigen Hände.