Mein erster Gedanke: Das kann doch nur satirisch gemeint sein! Dietikon soll sich auf Initiative des FDP-Gemeinderats Martin Romer als typisches Schweizer Dorf für eine Radio-SRF-Sendung bewerben. Wie jetzt – Dorf? Mit 27'000 Einwohnern, 15'000 angemeldeten Motorfahrzeugen, 40 Prozent bebauter Fläche und einer Grösse von 450 Fussballfeldern? Nach meiner Definition bedecken viele Dörfer nicht einmal die Fläche eines einzigen Fussballfeldes.

Ich weiss, wovon ich rede. Ich habe meine drei Kinder in einem Dorf grossgezogen. 500 Einwohner, kein Gebäude mit Ausnahme der Kirche höher als drei Stockwerke, dazu eine einfache Gastwirtschaft, mehrere Bauernhöfe mit Kühen und Hühnern im Stall, jeder Einwohner Mitglied in mindestens einem Verein, in jedem dritten Haus ein Mitglied der Feuerwehr. Wer in irgendeiner Weise am öffentlichen Leben teilnimmt – und das tun dort fast alle –, kennt zwar nicht jeden, so doch die Mehrzahl der Dorfbewohner.

Aber es zählen eben nicht nur Zahlen und Fakten. Es kommt noch etwas Weiteres hinzu, das schwerer zu fassen ist und das auch Martin Romer auf seine Idee mit der «Dorfplatz»-Bewerbung gebracht hat: Gefühle. Sei es das Lebensgefühl, in einem Dorf zu wohnen, das wie eine Stadt daherkommt, sei es der Stolz auf die Gemeinde und ihre Entwicklung, sei es – vielleicht am wichtigsten – die Verbundenheit der «Dörfler» untereinander. Auch mir gefällt das Leben in meinem Dorf vor allem, weil es dort so viele Menschen gibt, die ich mag. Für all diese Gefühle gibt es übrigens einen treffenden Begriff: Heimatliebe.