Persönlich

Adieu, treuer Begleiter

Ein Telefon wird zum Weggefährten.

Ein Telefon wird zum Weggefährten.

Rasant schnell ging es. Innerhalb von zwei Sekunden rutschte mein Handy in das Toilettenbecken.

Platsch. Versunken. Ohne zu zögern, tauchte ich meine Hand in die warme Urinpfütze. Das alte iPhone 5, mein treuer Begleiter seit Schulzeiten, musste ich schliesslich retten. Der Fokus seiner Kamera war zwar längstens verschwommen – Texte wurden zum Wörternebelmeer – und seine Buchse hatte sich auch etwas aufgelockert, sodass ich nur eine Art von Kopfhörern benutzen konnte. Egal, ich hatte mein weisses Natel lieb. Ich sah, als ich es in der tropfenden Hand hielt, wie sich der Bildschirm verfinsterte, bis absolute Dunkelheit herrschte.

Ein persönliches Dilemma zerriss mich in der Toilette: Einerseits verachte ich den Gedanken, mich aufgrund eines verlorenen Gegenstandes in Verzweiflung zu stürzen, anderseits war das Telefon mehr als ein praktisches Objekt: Es war mein Weggefährte.
Zu Boden fiel mein Natel zigmal, hohe Luftsprünge durfte es dank seiner Besitzerin auch machen – meist landete es auf dem Bett, auf dem Teppich, oder an einem brasilianischen Flughafen, denn mein Mobiltelefon war ein Vielflieger. Es begleitete mich an den Strand und auf die Skipiste, wo ich es mit Handschuhen nicht bedienen konnte und sich die Batterie rapid entlud. Zu Hause streichelte ich es jeweils wieder wärmstens und speiste etwas Energie in das liebe Gerät. Es hatte meine Stimme und mein Bild aufgenommen, es hatte mich gehört, gesehen und gefühlt. Das war alles nun vorbei.
Rest in Peace, iPhone. Du hast das Licht der Welt höchstwahrscheinlich in einer chinesischen Fabrik erblickt und nun ertrankst du nach vier Jahren geleistetem Dienst im Natursekt deiner sorglosen Besitzerin. Ich habe dir den Dienst versagt. Nun stehst du ausser Dienst. Für immer.

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