Wer in knappen finanziellen Verhältnissen lebt und Kinder kriegt, soll künftig keine Kleinkinderbetreuungsbeiträge (KKBB) mehr erhalten. Bei Bedarf soll die Sozialhilfe einspringen. Dafür hat sich der Zürcher Kantonrat gestern klar ausgesprochen. Die Schlussabstimmung steht noch aus, doch die Debatte verdeutlichte: Die KKBB gelten als nicht mehr zeitgemäss.

Das hat gute Gründe. Vieles hat sich verändert, seit die KKBB 1992 eingeführt wurden. Damals gab es noch keinen Mutterschaftsurlaub, keine bezahlten Stillzeiten am Arbeitsplatz, Kindertagesstätten (Kita) waren eine Seltenheit, berufstätige Mütter eine Minderheit. All dies ist heute anders. Daher ist es sinnvoll, das kostspielige Unterstützungssystem der KKBB abzuschaffen, das unter ganz anderen Voraussetzungen geschaffen worden war. Einst als Unterstützung für alleinerziehende Mütter gedacht, wirken die KKBB heute als Fehlanreiz für Doppelverdiener: Vielfach reduzieren zumeist Mütter ihre Arbeitspensen oder geben sie ganz auf, um nicht zuletzt von den auf zwei Jahre befristeten Beiträgen — man nennt sie auch Herdprämie — zu profitieren. Wenn diese dann wegfallen, haben sie umso mehr Mühe, wieder in die Arbeitswelt zurückzufinden.

Eines hat sich jedoch nicht verändert: Kinderkriegen ist ein Armutsrisiko. Selbst in mittelständischen Familien bleibt oft am Ende des Monats kaum noch Geld übrig. Grund dafür sind oft teure Kitaplätze. Soll die Streichung der KKBB nicht zur blossen Sparübung werden, braucht es daher auch mehr vergünstigte Kitaplätze. Dann wäre das System wieder zeitgemäss.