Flüchtlingsdebatte

Wer helfen will, soll helfen können

Schon Ende der 1980er-Jahre brachte Gerhard Fischer auf seinem Bäretswiler Bauernhof Flüchtlinge aus Sri Lanka und dem Libanon unter.zvg

Schon Ende der 1980er-Jahre brachte Gerhard Fischer auf seinem Bäretswiler Bauernhof Flüchtlinge aus Sri Lanka und dem Libanon unter.zvg

Auch Privatpersonen bieten immer wieder Wohnplatz für Asylsuchende an. Doch stossen sie vonseiten des Kantons auf weniger Dankbarkeit, als man meinen könnte.

Regierungsrat Mario Fehr (SP) lobte gestern im Kantonsrat die Leistungen des Kantons Zürich im Asylwesen, für das er selbst zuständig ist: Der Kanton bringe ein Sechstel der in der Schweiz Asylsuchenden unter, vom viel beschworenen Asylchaos sei keine Spur. Fehr sagte aber auch, man müsse angesichts der aktuellen Situation lange nicht mehr gebrauchte Unterkünfte wieder in Betrieb nehmen.

Was Fehr nicht sagte: Es gibt auch Privatpersonen, die bereit sind, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen und dies früher schon getan haben. Menschen wie Gerhard Fischer, Bauer und EVP-Kantonsrat aus dem Zürcher Oberland. Fischer will auch jetzt wieder Flüchtlinge beherbergen. Doch auf diese Art von Hilfe ist der Kanton Zürich derzeit offenbar nicht eingestellt. Ein Projekt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH), mit dem private Unterbringungen von Flüchtlingen gefördert werden sollen, ist in mehreren Kantonen bereits angelaufen. Nicht so im Kanton Zürich.

Das befremdet nicht nur Gerhard Fischer. Zwar mag es verständliche Gründe für Vorbehalte gegenüber Privatunterbringungen von Flüchtlingen geben, etwa die Angst vor Kontrollverlust. Doch dieses Thema liesse sich mit klaren Rahmenbedingungen regeln. Der benachbarte Aargau jedenfalls kooperiert mit dem SFH-Projekt.

Aktuell dominieren fremdenfeindliche oder zumindest restriktive Töne in der Diskussion um Flüchtlinge. Dass es auch anders ginge, zeigt das Beispiel Gerhard Fischers. Auch er verneint keineswegs, dass es bei privater Flüchtlingshilfe zu schwierigen Situationen kommen kann. Dennoch ist sein Fazit positiv. Er redet von einer «bereichernden Erfahrung» – und will wieder helfen. Solche Privat-Engagements gilt es zu fördern. Wer helfen will, soll helfen können.

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